Neuer SBB-Chef: Ein Prost auf sechs Knackpunkte

Wie bringt Vincent Ducrot die Bahn wieder in die gute Spur? Indem er diese Probleme löst.

Der neue SBB-Chef Vincent Ducrot (links) stösst mit seinem Vorgänger Andreas Meyer (Mitte) und dem Staatssekretär für das DAEC, Jean-François Steiert, an. <nobr>Archivbild: Cyril Zingaro/Keystone</nobr>

Der neue SBB-Chef Vincent Ducrot (links) stösst mit seinem Vorgänger Andreas Meyer (Mitte) und dem Staatssekretär für das DAEC, Jean-François Steiert, an. Archivbild: Cyril Zingaro/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vincent Ducrot ist der Neue an der Spitze der Bundesbahnen. Der 57-Jährige wird das Erbe von Andreas Meyer antreten. Dieser war seit 2007 Chef bei den SBB. Der Posten bringt es mit sich, dass er von Tag eins an unter genauer Beobachtung steht. Nicht von den über 32’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundesbahnen, sondern vor allem auch von der Politik und dem Bähnlerland Schweiz. Denn die SBB lassen niemanden kalt. Ducrot kommt in einer unruhigen Phase zurück in den Betrieb, in dem er einst die Karriereleiter unter Benedikt Weibel aufstieg. Welche Baustellen er nun angehen muss:

1. Das zerrüttete Vertrauen der Kunden
Die wichtigste Währung im Bahnverkehr ist das Vertrauen der Kunden. Es hat in der letzten Zeit aber abgenommen. Ein ganzer Strauss an Gründen hat das Verhältnis der Schweizerinnen und Schweizer zum einstigen Nationalheiligtum SBB erschüttert. Erfolge, wie der kontinuierliche Ausbau der Kapazität und die zumindest stagnierenden Preise, konnten Probleme nicht aufwiegen.

Daher braucht es von Ducrot vor allem viel und vor allem ehrliche Kommunikation. Wohin soll es gehen, womit will die Bahn vorwärtsmachen, wie sollen leidigere Themen gelöst werden? Diese Strategie muss von Anfang an nicht nur in den Köpfen der SBB-Spitzen präsent sein, sondern sie muss bis zu den Kundinnen und Kunden gelangen.

2. Das Vertrauen der Mitarbeiter
Nur bei 46 von 100 Punkten lag das Vertrauen in die Führungscrew der SBB unter Andreas Meyer in einer internen Bewertung in diesem Jahr. Das ist schwach. Zudem ist das Vertrauen in die Konzernleitung in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Da muss man zulegen können. Denn die Rechnung ist einfach: Sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufrieden und haben Vertrauen in die Führung, hat das positive Auswirkungen auch auf den Pendleralltag.

3. Die neuen Züge I
Die Bombardier-Doppelstöcker sind ein leidiges Thema, das auch Ducrot beschäftigen wird. Dabei geht es einerseits darum, daran zu arbeiten, dass die Züge ihren schlechten Ruf dereinst abstreifen können. Da helfen sicher die weniger werdenden technischen Schwierigkeiten der letzten Wochen. Andererseits geht es auch um Auseinandersetzungen mit Bombardier wegen allfälliger Strafzahlungen, weil die Züge zu spät geliefert worden sind. Und drittens stellt sich auch die Frage, ob die SBB die Option für weitere Züge des Typs ziehen.

Hier glänzt der neue Bombardier-Doppelstöcker noch. Wegen seiner anhaltenden technischen Schwierigkeiten hat er jedoch bereits an Glanz verloren. Foto: Walter Bieri/Keystone

4. Die neuen Züge II
Nicht nur Doppelstöcker werden in Zukunft wichtig, sondern auch neue Einstöcker für den Regionalverkehr. Diese sollen – Stand heute – bereits ab 2023 im Wallis und im Netz von Thurbo rollen. Der Bestellwert wird bei rund 3 Milliarden Franken liegen. Die künftigen Züge sollen zudem flexibler werden im Einsatz. Die Bundesbahnen denken darüber nach, ob sie Fahrzeuge bestellen wollen, in die man je nach Einsatzort mehr oder weniger Sitzplätze einbauen kann.

Unlängst gingen die SBB mögliche Lieferanten an, um sich mit ihnen abzusprechen. Der Hintergrund ist klar: Man will ein Fiasko wie bei der Bombardier-Bestellung vermeiden und bereits einiges im Voraus klären. Ganz grundsätzlich soll der Bestellprozess vereinfacht werden.

5. Pünktlichkeit
Es heisst immer wieder, man jammere auf hohem Niveau, wenn die Pünktlichkeitsraten der SBB in die Kritik geraten. Das stimmt: Im Vergleich zu anderen europäischen Bahnen sind die SBB trotz komplexem Nebeneinander von internationalem Verkehr über Intercity- bis hin zu Regionalverkehr sehr pünktlich. Doch die SBB selbst haben andere Ansprüche an sich, und daran müssen sie sich messen lassen. Und da machten die Bundesbahnen in den vergangenen Wochen keinen guten Eindruck.

Immer wieder haben die SBB mit Verspätungen und Ausfällen zu kämpfen. Wie hier am Hauptbahnhof Basel. Foto: Nicole Pont

Der tägliche Report der SBB, in dem die Daten zur Pünktlichkeit vom Vortag veröffentlicht werden, ist regelmässig unter 90 Prozent. Das ist die Zahl, welche die SBB immer proklamieren: 9 von 10 Kunden kommen pünktlich an.

6. Personalmangel
Am gravierendsten ist der Personalmangel bei den Lokführern. Dort fehlt es bereits heute an jeder Ecke. Die Folge: Einzelne Züge mussten die SBB bereits ausfallen lassen. Die Bahngewerkschaft SEV betont aber, dass die Situation auch bei anderen Berufsleuten schwierig sei, so etwa beim Zugpersonal oder bei der Instandhaltung.

Erstellt: 10.12.2019, 11:54 Uhr

Artikel zum Thema

Der neue Mann an der SBB-Spitze ist bereits bekannt

Wer der Nachfolger von Andreas Meyer wird, wollte die Bahn um 13 Uhr verkünden. Der Name sickerte aber bereits am Morgen durch. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!