Winterthur

Neue Krankheit bedroht Kinderzähne

Die Schulzahnklinik wird derzeit täglich mit dem neuen Phänomen «Kreidezähne» konfrontiert. In schweren Fällen bröseln die Zähne der Kinder einfach weg. Bisher kamen die Eltern und nicht die Kassen für die Kosten auf. Das stösst jetzt auf Kritik.

Bei sogenannten «Kreidezähnen» können die betroffenen Zähne abbröckeln. Die Ursache der Krankheit ist unklar, es liegt aber kein Selbstverschulden der Kinder vor.

Bei sogenannten «Kreidezähnen» können die betroffenen Zähne abbröckeln. Die Ursache der Krankheit ist unklar, es liegt aber kein Selbstverschulden der Kinder vor. Bild: PD

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Das Krankheitsbild «Kreidezähne» wurde erst vor einigen Jahren wissenschaftlich beschrieben, wird aber heute schweizweit bereits bei etwa jedem dritten Kind festgestellt. Die von der Schmelzbildungsstörung MIH betroffenen Zähne weisen teils braune Flecken auf und sind porös. «In schweren Fällen beginnen die Zähne zu bröckeln», sagt die frühere Kantonszahnärztin Teresa Leisebach. Bis Ende Oktober leitete sie interimistisch die Schulzahnklinik Winterthur und steht nun der neuen Leiterin in der Einarbeitungszeit zur Seite.

Leisebach hat festgestellt, dass die Krankheit MIH – deren Ursache noch immer nicht geklärt ist – in der kinderzahnärztlichen Praxis ein zunehmendes Thema darstellt. «Bei den obligatorischen Untersuchungen begegnen unsere Zahnärztinnen und Zahnärzte dem Phänomen täglich.»

Hohe Behandlungskosten

Weil aber die Krankenkassen die Krankheit nicht anerkennen und MIH im Katalog der Pflichtleistungen nicht aufgeführt ist, kommen auf die Eltern der Kinder oft hohe Kosten zu. Leisebach erachtet dies als ungerecht und ist deshalb klar der Meinung, dass der Katalog überarbeitet werden sollte. «Gerade das Beispiel von MIH zeigt, dass der Katalog Lücken aufweist.»

«Es ist unfair, dass die Eltern für die hohen Kosten aufkommen müssen»Rolf Ammann, Kinderzahnarzt und Lehrbeauftragter an der Universität Zürich

Auch Kinderzahnarzt Rolf Ammann, Lehrbeauftragter an der Universität Zürich, ist dezidiert der Ansicht, dass in Zukunft die Krankenkassen die Behandlungskosten für die schweren Fälle von MIH übernehmen sollten. «Es ist unfair, dass die Eltern für die hohen Kosten aufkommen müssen», sagt Ammann. Denn in Sachen «Kreidezähne» liege – im Unterschied zu Karies, die durch mangelnde Mundhygiene entsteht – kein Selbstverschulden der Kinder vor.

Kein Antrag gestellt

Doch der Krankenkassenverband Santésuisse erklärt sich als nicht zuständig und verweist auf das Bundesamt für Gesundheit. Denn nur dort können Gesuche «zur Erlangung der Leistungspflicht» eingereicht werden. Bis heute wurde jedoch noch kein entsprechender Antrag gestellt. Grund: Die zahnärztlichen Standesorganisationen glauben derzeit nicht, dass ein Gesuch eine Chance hätte, «solange die Ursache von MIH ungeklärt bleibt».

Erstellt: 04.11.2018, 16:59 Uhr

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