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Top-100-Spieler aus BolivienNach zwei Monaten kann er sein Baby in die Arme schliessen

Weil Tennisprofi Hugo Dellien wegen Covid-19 nicht reisen durfte, erlebte er die Geburt seiner ersten Tochter am 25. April nicht mit. Jetzt endlich ist das junge Familienglück komplett.

Endlich darf Hugo Dellien seine Tochter sehen.
Endlich darf Hugo Dellien seine Tochter sehen.
Foto: Twitter

Als Camila Giangreco Campiz, eine ehemalige Profispielerin, ihre Tochter Mila in Paraguay zur Welt brachte, war der Vater weit entfernt. Hugo Dellien, aktuell die Nummer 94 im ATP-Ranking, weilte seit Mitte März in seiner Heimat Bolivien, und konnte wegen der geschlossenen Grenzen nicht reisen. Wie er sich in dieser Zeit fühlte, sagte er vor einiger Zeit gegenüber der Website «atptour.com»: «Ich hatte so viele Emotionen in den letzten Wochen. Es ist eine neue Phase in unserem Leben. Mein Baby via Kamera zu sehen, macht mich enorm glücklich, und ich kann mir nur vorstellen, wie es sein wird, wenn ich sie in meinen Armen halten kann.»

Der emotionale Insta-Brief ans Babygirl

Der 26-Jährige teilte seinem Babygirl seine Emotionen in einem Brief auf Instagram mit. «Ich will dir sagen, dass wir eine schwierige Zeit durchmachen, und die ganze Welt durch schwierige Momente geht. Deshalb konnte Daddy nicht da sein am Tag, als du auf die Welt kamst. Es tut weh und ich leide sehr. Ich will es nicht abstreiten.»

Gleichzeitig zeigte er sich aber auch optimistisch: «Aber weisst du was? Ich würde es noch tausend Mal auf mich nehmen, so lange alles so kam, wie es nun ist. Deiner Mutter geht es gut, und du bist voller Liebe, gesund und eine einzigartige Schönheit.»

Delliens Odyssee hatte im März begonnen. Er war gerade in Indian Wells angekommen, als das Masters-1000-Turnier wegen Covid-19 abgesagt wurde. Einige Tage später – es war nun klar, dass vorderhand keine anderen Turniere gespielt werden konnten – reiste mit seinem Team zurück nach Buenos Aires, seiner Trainingsbasis. Vier Tage später schloss Argentinien die Grenzen, und weil auch jene Paraguays zu waren, konnte er nicht mehr zu seiner Frau. Die einzige Möglichkeit war die Rückkehr in seine Heimat Bolivien, und dort verbrachte er die letzten drei Monate bei seiner Familie.

Im letzten Jahr spielte Hugo Dellien beim ATP-Turnier in Genf im Viertelfinal gegen Alexander Zverev, jetzt feierte er abseits des Platzes seinen grössten Sieg.
Im letzten Jahr spielte Hugo Dellien beim ATP-Turnier in Genf im Viertelfinal gegen Alexander Zverev, jetzt feierte er abseits des Platzes seinen grössten Sieg.
Foto: Martial Trezzini (Keystone)

Nun endlich, nach Interventionen beim bolivianischen Aussenministerium und der Regierung von Paraguay, kam Bewegung in die Sache. Dellien erhielt die Einreiseerlaubnis, und kam von seiner Heimatstadt Trinidad via Santa Cruz nach Paraguay. Dort musste er zuerst zwei Wochen in Quarantäne, ehe es nun endlich zum ersten Treffen der jungen Familie kam.

Er hat eine Vergangenheit in Bern

Dellien hat auch eine Schweizer Vergangenheit. Mehrere Jahre bestritt er dank der Kontakte von Clubpräsident Luc Estermann die Interclub-Meisterschaft für den TC Dählhölzli Bern, ebenfalls zum Team gehörten einer seiner Brüder und ein weiterer Bolivianer. Nun ist Hugo Dellien 26 und daran, sich dauerhaft in der Elite des Welttennis zu etablieren, er spielt so gut wie nie. Dass er noch keinen Titel oder Final auf der ATP-Tour erreicht hat, kann er verschmerzen: «Mila ist die grösste Trophäe, die ich gewinnen kann.»