Zürich

«Musicals fordern und berühren mich»

Das erfolgreiche Musical «Io senza te» geht in die zweite Spielzeit. Neu im Ensemble mit dabei ist Nathanael Schaer in der Rolle des Barmanns Gio.

Nathanael Schaer verkörpert in «Io senza te» den Barmann Gio. Bild: pd

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Kurz vor dem 20. Hochzeitstag kriselt es in der Ehe von Jean-Rémy, dem Besitzer der Bahamas-Bar. Das bringt seinen jungen Barmann Gio auf eine Idee: Könnte Jean-Rémy die Ehe vielleicht retten, wenn er seine Lilly mit einer Party überraschen würde – und einer Liveperformance des Songs, der damals ihr gemeinsames Lieblingslied war? Gio kennt auf Anhieb zwar weder «Io senza te» noch Peter, Sue & Marc.

Aber es gelingt ihm, den Sound des Trios mit Sängerin Ky und ­Komponist Dieter so gut zu ko­pieren, dass Jean-Rémy die Banden­gagiert. Der Auftritt an der Überraschungsparty für Lilly hat ungeahnte Folgen ...

Nathanael Schaer, nach dem Lehrerseminar sind Sie Ihrem Herzen gefolgt und haben an der Bayerischen Theater-akademie in München studiert. Sollten Sie erst einen «an­ständigen» Beruf erlernen?
Nathanael Schaer: Der Wunsch, auf der Bühne stehen zu können, entwickelte sich bereits im Kindergartenalter. Ich sagte meinen Eltern: Entweder werde ich Sänger oder Lehrer. Als es dann um die Berufswahl ging, war mir klar, dass ich gerne Lehrer werden wollte. Das Singen habe ich intensiv in meiner Freizeit betrieben, und ich wusste nicht, dass es überhaupt möglich ist, den Beruf des Darstellers zu erlernen, geschweige davon leben zu können. Meine Eltern haben mich jedoch immer in meinem Berufswunsch bestärkt. Heute erachte ich es als einen Riesenvorteil, den Lehrerberuf erlernt zu haben, da ich während meines Studiums und auch jetzt noch als Vikar arbeite.

Haben Sie sich schon immer von der Bühne angezogen gefühlt, gab es ein Schlüsselerlebnis?
Bühne und sich darstellen können, hatte für mich immer einen Reiz – ich fing Feuer. Ich habe Stunden damit verbracht, mit der Haarbürste meiner Mutter als Mikrofon vor dem Spiegel bekannte Sänger zu imitieren.

Sie bewegen sich erst seit wenigen Jahren (siehe Box) im Theaterbusiness und konnten sich doch schon in einem breiten Spektrum Ihrer Passion aus-toben. Ein Privileg, oder sind Sie einfach gut?
Es ist natürlich ein Privileg. Dazu kommt viel Fleiss, Talent und Durchhaltewillen. Glück spielt auch eine grosse Rolle. Man muss lernen, mit Niederlagen und Absagen umzugehen und sich dadurch nicht entmutigen zu lassen.

In welchem Theater-Genre – ohne sich jetzt in eine Schublade einzunisten – fühlen Sie sichbesonders wohl?
In erster Linie bezeichne ich mich als darstellender Künstler. Ich mag mich nicht in ein Label stecken und möchte offen sein für das, was mich gerade packt. Gerade die Vielfalt macht diesen Beruf so spannend und liebenswert.

Musicals scheinen es Ihnen angetan zu haben. Ist es die Mischung aus Spiel und Musik, welche den Reiz ausmacht?
Ich habe vier Jahre an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München den Studiengang Musical besucht. Daher ist dieses Fach quasi mein «Mutterschiff». Die Kombination von Gesang, Schauspiel, Musik und Tanz ist fordernd und berührt mich auf vielen Ebenen. Ich hatte das Glück, direkt während der Ausbildung die Hauptrolle in «Ewigi Liebi» zu ersingen, und dadurch wurde ich direkt in dieses Segment hineingeschleudert.

Nun verkörpern Sie in der zweiten Spielzeit von «Io senza te» den Barmann Gio. Dieser kennt laut Inhaltsangabe zum Stück weder den titelgebenden Song noch Peter, Sue & Marc. Ging es Ihnen genauso?
Ich bin ein Kind der 80er-Jahre, und vor allem Peter Reber war bei uns in der Familie sehr präsent. Die Kassetten wurden im Auto auf Reisen hoch und runter gespielt. Peter, Sue & Marc kannte ich auch. Erst durch das Stück «Io senza te» habe ich mich aber intensiv mit deren Musik beschäftigt. Es sind unglaublich viele verschiedene Stile, die integriert werden, und die Melodien haben den Ohrwurmeffekt.

Die Lieder des Trios gelten sozusagen als lebendes, helvetisches Kulturgut. Wie haben Sie sich Ihre darzustellende Figur erarbeitet?
Ich bin gerade dabei, und langsam nimmt sie Konturen an. Durch das viele Lesen und Beobachten während der Probenarbeit erschliesst sich manches. Es gibt auch einige Parallelen zu mir. Ich habe während meiner Lehrerausbildung hinter der Bar gearbeitet, und ich weiss, wie es ist, nach einer langen Arbeitsnacht die letzten Gäste aus dem Lokal zu befördern und «Füür­abe» zu machen.

In der Musicalstory seid Ihr zwar Hobbymusiker. Das Publikum ­erwartet aber doch wohl, in «harmonischen» Erinnerungen schwelgen zu können …, oder?
Das Musical hat das Ziel, die Zuschauer mit dieser Musik zu begeistern und Erinnerungen zu wecken. Der Weg dorthin führt aber über die eine oder andere menschliche Disharmonie ...

Was war für Sie als Darsteller die Herausforderung und was ein besonderer Genuss?
Genuss ist es, dieses schöne Liedgut singen zu können und zu wissen, welche Magie dieses Triodamals damit versprüht hat. Die Herausforderung liegt darin, den Klang des Trios möglichst authentisch tönen zu lassen. Es ehrt mich, wenn sich Peter Reber eine Probe anschaut. Da werde ich schon leicht nervös.

Sie treten als Gio (in Doppelbesetzung) alternierend mit Musiker Ritschi (Plüsch) auf. Tendiert man dazu, die darzustellendeFigur zu kopieren – haben Sie das Stück vorher bereits gesehen – und lässt es Spielraum,
Eigenes mit einzubringen?
Ich habe das Stück nicht gesehen. Regisseur Stefan Huber hat mit uns Neuen ziemlich intensiv vorgearbeitet und uns volles Ver­trau­en geschenkt, die Figur zu unserer eigenen zu machen. Das schätze ich sehr, und die Arbeit mit ihm war für mich als Darsteller enorm lehrreich und inspirierend. Ich mag es sehr, dass er viel Klarheit in diesen Beruf bringt und die Darsteller(-innen) fordert. Gerade ein gutes Arbeitsklima und eine Wohlfühlatmosphäre geben mir Sicherheit, sehr viel Spielfreude und Vertrauen.

Erstellt: 19.08.2016, 16:38 Uhr

ZUR PERSON

Nathanael Schaer – Nach dem Lehrerseminar studierte Nathanael Schaer an der Bayerischen Theaterakademie in München. Im Rahmen seines Studiums spielte er in den Stücken «Der kleine Horrorladen», «King Lear» und «On the Town». 2007 kreierte er die Rolle des Daneli in der Uraufführung «Ewigi Liebi» unter der Regie von Dominik Flaschka in Zürich. Danach spielte er im Kultstück «Bye Bye Bar» mit. Von 2010 bis 2012 wurde er für die durchgehende Rolle des Lehrers Jochen Dammann in der SRF-1-TV-Serie «Best Friends» besetzt, in der er in über 120 Folgen zu sehen war. Es folgten Hauptrollen u.?a. in «Spamalot», «Die letzten fünf Jahre» und «Hexenfeuer». In der Spielzeit 2015 gastierte er am Stadttheater Münster im Stück «Anything Goes» als Billy Crocker.zsz

TICKETVERLOSUNG

Musical «Io senza te»
Wir verlosen für die Vorstellung am Sonntag, 18. September, zweimal zwei Tickets. Die Tickets werden an die Gewinner per Post verschickt.
Kennwort: Senza
Teilnahme: Mail senden an ticketverlosung@zsz.ch bis Montag, 22. August, 8 Uhr
(Name und Adresse angeben). Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnahme ist nur einmal pro Person möglich; Mitarbeiter der Tamedia sowie deren im selben Haushalt lebende Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.

«Io senza te»

1. September bis 23. Oktober. Dienstag bis Freitag, 19.30 Uhr. Samstag und Sonntag, 14.30 und 19.30 Uhr. Theater 11, Zürich-Oerlikon. Tickets: www.ticketcorner.ch, Telefon 0900 800 800 (1.19 Fr./Min.).

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