Winterthur

Münzkabinett erhält verschollenen Münzschatz

Eine Urenkelin des Eisenbahnpioniers Adolf Guyer-Zeller brachte dem Münzkabinett letztes Jahr einen Sack mit 256 Bronze-Münzen, die seit langem ihrer Familie gehört hatten. Wie sich zeigte, sind sie Teil eines Fundes von 1880 in Bäretswil.

256 römische Münzen etwa aus dem Jahr 200 nach Christus befanden sich in dem Wäschebeutel.

256 römische Münzen etwa aus dem Jahr 200 nach Christus befanden sich in dem Wäschebeutel. Bild: Marc Dahinden

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Der Schatz kam im Frühjahr 2017 in einem einfachen Wäschebeutel auf den Tisch von Benedikt Zäch. Der Leiter des Münzkabinetts staunte nicht schlecht, als ihm Patricia Guyer und ihr Partner den Sack mit 256 Bronzemünzen als Geschenk überbrachten: «Sie sagte, die Münzen seien seit langem in Familienbesitz, doch sie wisse nicht, woher sie kämen und was für Münzen das seien.»Auch Zäch konnte sich zunächst nicht genau erklären, was er da in Händen hielt. Je mehr er jedoch forschte und die Puzzleteile ordnete, desto klarer wurden die ­Zusammenhänge. Definitive Klarheit hatte er, als er den Namen der Besucherin mit jenem des Industriellen und Eisenbahnpioniers Adolf Guyer-Zeller in Zusammenhang brachte. Er ist der Urgrossvater Patricia Guyers.

Bauer Brandenbergers Fund

Inzwischen haben Zäch und seine Mitarbeiter die Geschichte so rekonstruiert: 1880 fand der Bauer und Förster Hans Jakob Brandenberger an einem Ort namens Pulten unweit des Rosinli in der Gemeinde Bäretswil zwei Kessel voller römischer Münzen. Man geht davon aus, dass es 500 bis 600 Bronzemünzen gewesen sein müssen, bekannt waren aber bisher nur vier Exemplare daraus: drei in Wald und eines im Landesmuseum. Brandenberger, so erzählt Zäch, habe damals offenbar zwei gegeneinander gestellte Steinplatten weggebrochen und so den Schatz bei einer Baumwurzel entdeckt.

Bild: Marc Dahinden

1880 galt noch nicht, was heute gilt: Historische Münzfunde gehören dem Kanton. Damals kam die Antiquarische Gesellschaft auf Brandenberger zu, um mit ihm zu verhandeln. Der Finder ging davon aus, dass es sich nicht um Bronze-, sondern um Goldmünzen handelte und verlangte einen entsprechenden Preis, den die Besucher aber nicht zu zahlen gewillt waren. Also behielt Bauer Brandenberger den Schatz und verkaufte oder verschenkte mal da, mal dort etwas davon.

Guyer-Zellers gute Absicht

Aus einer Aktennotiz von 1922, auf die Zäch im Zusammenhang mit einem weiteren Münzfund am selben Ort gestossen war, wusste er: «Ein Teil von Brandenbergers Fund hatte offenbar der damalige Bäretswiler Kantonsrat Adolf Guyer-Zeller gekauft. Mehr wusste man nicht – bis die Urenkelin letztes Jahr bei uns erschien.» Zäch vermutet, dass Guyer -Zeller die Münzen erworben hat, um sie als Kulturgut zu erhalten: «Er war ein sehr kultursinniger Mensch.»

Zäch weiss deshalb so gut über den Bäretswiler Münzfund Bescheid, weil ein Team des Münzkabinetts den zweiten Fund von 1993 wissenschaftlich aufarbeitete und später publizierte: Damals waren unweit der ersten Fundstelle 658 Silbermünzen entdeckt worden. «Diese Stelle muss sowas wie ein Kultort gewesen sein, Siedlungsspuren fand man dort keine», sagt Zäch.

Er und sein Team werden nun auch die neu aufgetauchten Bronzemünzen untersuchen und später öffentlich zeigen. «Gut die Hälfte der ursprünglich vorhandenen Münzen des ganzesn Fundes» stünden dafür jetzt zur Verfügung. Zuvor hatte der Stadtrat noch eine Formalie zu entscheiden: Er musste Frau Guyers Geschenk offiziell annehmen, was diese Woche geschah. (mgm)

Erstellt: 13.12.2018, 13:38 Uhr

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