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Heute vor 100 JahrenMordversuch in der Gartenwirtschaft

Einen heiklen Einsatz hatten Polizisten in Uetikon einst zu bewältigen. Zudem zeigt ein Blick ins Archiv: Die Diskussion über einen Stadtsaal in Adliswil ist genau 100 Jahre alt.

Aus dem Archiv der Zürichsee-Zeitung.
Aus dem Archiv der Zürichsee-Zeitung.
Illustration: Olivier Samter

Seit in Adliswil vor rund 15 Jahren der Sunnesaal abgerissen wurde, gibt es immer wieder Diskussionen, ob ein neuer Stadtsaal nötig ist. Auch aktuell wird das Thema debattiert, die Adliswiler SP hat in den letzten zwei Monaten eine Umfrage in der Bevölkerung durchgeführt, um den Puls zu spüren. Ein Blick ins Archiv zeigt: Genau vor 100 Jahren – Adliswil zählte damals knapp 5000 Einwohner – wurde das Thema erstmals aktuell. So steht im damaligen Sihltaler: «Wie wir aus direkter Quelle erfahren, soll auch unsere Gemeinde, die als Metropole des Sihltales genannt wird, in den Besitz eines grossen Tanz- und Theatersaales gelangen, indem mit der Vergrösserung des Kronensaales ernst gemacht wird.» Der Umbau solle nach der Kirchweih in Angriff genommen werden. «Mit dieser baulichen Veränderung wird einem alten Übelstande abgeholfen und den Vereinen und auswärtigen Gesellschaften Gelegenheit gegeben, grössere Veranstaltungen abzuhalten.» Der Saal wurde später tatsächlich gebaut, und etwa die Harmonie oder das Jodel-Doppelquartett hielten dort ihre Aufführungen, bevor der Saal 1948 abgerissen wurde.

Im Bezirk Meilen sorgte zur gleichen Zeit ein Polizeieinsatz für Furore. So vermeldete die rechtsufrige Zürichsee­-Zeitung, dass in Uetikon ein Landwirt wegen Mordversuchs festgenommen werden musste. «Der etwas jähzornige 41-jährige Landwirt versuchte in aufgeregtem Zustand den Verwalter, mit dem er gewisse Zwistigkeiten hatte, zu erschiessen. Von seinem Hause aus schoss er mit einem Ordonnanzgewehr in einen ungefähr 60 Meter entfernten Wirtschaftsgarten, wo er den Verwalter vermutete.» Opfer waren zum Glück keine zu verzeichnen: Der Verwalter hatte die Wirtschaft kurz zuvor mit anderen Gästen verlassen.