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Triumph nach SchicksalsschlagMikaela Shiffrins schlimmster Sieg

Erstmals seit dem Tod ihres Vaters steht die Amerikanerin zuoberst auf dem Podest. Sie kämpft noch immer mit Motivationsproblemen. Und verspürt eine Grundtraurigkeit.

Mikaela Shiffrin gewinnt den zweiten Riesenslalom im französischen Courchevel. Beim Siegerinterview ist die Amerikanerin überwältigt und den Tränen nahe.
Video: SRF

Sie weinte. Konnte kaum sprechen. Und das Herz raste. Mikaela Shiffrin war gefangen in ihren Emotionen. So war es nach der Zieldurchfahrt, während der Nationalhymne auf dem Podest, aber auch noch eine Viertelstunde später beim Fernsehinterview.

Nach dem Sieg im Riesenslalom von Courchevel hatte sie sich nicht mehr unter Kontrolle, sackte zusammen, so überwältigt war sie. Einen Hang zur Theatralik kann man der Amerikanerin nicht absprechen, wie es in ihr wirklich aussieht, weiss nur sie selbst. Offenbar aber ringt sie noch immer stark mit dem Verlust ihres Vaters Jeff, der im Februar völlig überraschend mit 65 verstarb. Shiffrin sagte: «Ich bin extrem stolz, aber auch extrem traurig. Das ist mein schlimmster Sieg.»

Sieg Nummer 67 – Hirschers Marke egalisiert

Für Shiffrin war es Erfolg Nummer 67 im Weltcup, sie egalisierte damit die Marke von Marcel Hirscher. Vor der 25-Jährigen liegen nur noch Ingemar Stenmark (86) und Lindsey Vonn (82). Es handelte sich um den ersten Sieg seit dem familiären Schicksalsschlag, und Shiffrin meinte denn auch, ihr Vater würde ihr gerade sehr fehlen. «Ich möchte meine Gefühle mit ihm teilen, ich bräuchte ihn als Stütze.»

Noch vor den Rennen im WM-Ort von 2023 hatte Shiffrin mit Blick auf den Gesamtweltcup gemeint, es gäbe viele starke Athletinnen, nur zähle sie sich selbst nicht zu diesem Kreis. Sie wolle keine Ziele definieren, die unrealistisch seien. Die letzten Monate waren schwierig gewesen, wegen der Reisebeschränkungen musste sie länger als geplant in den USA bleiben, sie sah ihren Servicemann nicht, weshalb die Materialtests ins Wasser fielen. Und zu allem Übel verletzte sie sich im Herbst noch am Rücken. Kurzzeitig dachte Shiffrin ans Aufhören, mit Motivationsproblemen kämpft sie nach wie vor. Gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA sagte sie: «Bei allem, was ich tue, verspüre ich eine gewisse Grundtraurigkeit.»

Überwältigt: Mikaela Shiffrin erlebt nach dem Sieg in Courchevel intensive Emotionen.
Überwältigt: Mikaela Shiffrin erlebt nach dem Sieg in Courchevel intensive Emotionen.
Foto: Keystone

Shiffrin siegte vor Federica Brignone und Tessa Worley. Petra Vlhova, die Führende im Gesamtweltcup, sowie Marta Bassino, die Siegerin der ersten beiden Riesenslaloms, fielen aus. Die Schweizerinnen zeigten sich verbessert: Michelle Gisin egalisierte als Vierte ihr Bestergebnis in dieser Sparte, Lara Gut-Behrami bewies als Siebte einmal mehr ihre wiedergefundene Konstanz. Corinne Suter (20.) holte erstmals Punkte im Riesenslalom, Wendy Holdener lief es erneut nicht rund, sie fiel im zweiten Lauf von Rang 10 auf 21 zurück.

8 Kommentare
    R. Zürcher

    Mikaela Shiffrin hat ihren geliebten Vater und zugleich ihren Trainer auf tragische Weise verloren. Nachdem sie sich wieder zurück gekämpft hat, ins Leben und in den Sport, ist sie beim ersten Triumph, ihrem „schlimmsten Sieg“ wie sie selbst sagt, überwältigt von Emotionen, schönen wie traurigen. Hier von Theatralik oder gar von schlechter Verliererin, der man die Trauer abspricht, zu sprechen ist einfach blanker Hohn. Es ist tief empfundene Trauer, die Raum und Zeit braucht. Und keine Siegerinterviews auf Knopfdruck.

    @peter saladin @philipp rindlisbacher