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Mangelware wegen CoronaMexikaner horten Sauerstoffflaschen – und sollen sie zurückgeben

Weil viele Familien ihre Corona-Patienten zuhause behandeln, sind die Flaschen Mangelware. Die Regierung bittet die Bevölkerung nun um Hilfe.

Ein Einwohner von Mexiko Stadt hat eine Sauerstoffflasche besorgt, die er für die Behandlung seines Vaters zuhause benötigt.
Ein Einwohner von Mexiko Stadt hat eine Sauerstoffflasche besorgt, die er für die Behandlung seines Vaters zuhause benötigt.
Foto: Marco Ugarte (Keystone)

Wegen grosser Nachfrage angesichts sehr hoher Corona-Zahlen hat Mexikos Regierung zur Abgabe nicht benötigter Sauerstoffflaschen aufgerufen. Viele Menschen behielten für alle Fälle die oft gemieteten Behältnisse, auch wenn sie nicht mehr gebraucht würden, teilte das Amt für Verbraucherschutz am Dienstag mit. Zugleich sei die Nachfrage exponentiell gestiegen, hiess es zum Start der Kampagne des Staates gemeinsam mit Vertriebsfirmen für medizinischen Sauerstoff. Es wird dabei um die Rückgabe von Sauerstoffflaschen «aus Liebe zum Leben» gebeten.

Mexiko hat seit Beginn der Coronavirus-Pandemie mehr als 141’000 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung offiziell registriert – die viertmeisten weltweit. In dem nordamerikanischen Land wird allerdings extrem wenig auf das Virus getestet, und die Übersterblichkeit ist sehr hoch – allein bis zum 12. Dezember starben im vergangenen Jahr nach Regierungsangaben knapp 275’000 mehr Menschen als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2018. Die US-Zeitung «Wall Street Journal» kam daher vor wenigen Tagen zu dem Schluss, dass Mexiko in Wirklichkeit wahrscheinlich nach den USA das Land mit den zweitmeisten Corona-Toten ist.

Zugleich ist das Gesundheitssystem des Landes – mit fast 130 Millionen Einwohnern an zehnter Stelle der bevölkerungsreichsten Länder der Welt – chronisch unterfinanziert. Zahlreiche Spitäler können derzeit keine Patienten mehr aufnehmen. In Mexiko-Stadt, einer der grössten Städte der Welt, sind nach offizieller Statistik 89 Prozent der Krankenhausbetten belegt. Viele Patienten müssen stundenlang in Krankenwagen ausharren, bevor sie in einer Klinik aufgenommen werden. Etwa aus Sorge vor unhygienischen Verhältnissen fahren in Mexiko zudem viele Covid-19-Kranke gar nicht erst ins Spital. Ihre Angehörigen versorgen sie stattdessen zu Hause mit Sauerstoff.

Hat Flaschen wieder auffüllen lassen: Ein anderer Einwohner von Mexico City benötigt Sauerstoff für erkrankte Familienmitglieder.
Hat Flaschen wieder auffüllen lassen: Ein anderer Einwohner von Mexico City benötigt Sauerstoff für erkrankte Familienmitglieder.
Foto: Ginnette Riquelme (Keystone)

sda/oli

1 Kommentar
    Chris Fogg

    Mir fehlen die Worte, dass private die medizinische Versorgung selber organisieren müssen.