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Syrien 50 Jahre nach dem PutschMerkwürdige Verehrung des «Goldenen Reiters»

Das Assad-Regime huldigt nun dem verstorbenen syrischen Thronerben Bassel al-Assad, dem Bruder des Diktators.

Im «Museum des Märtyrers und Goldenen Reiters Bassel al-Assad» steht die Statue vom Bruder des Präsidenten Bashar al-Assad.
Im «Museum des Märtyrers und Goldenen Reiters Bassel al-Assad» steht die Statue vom Bruder des Präsidenten Bashar al-Assad.
Foto: rallaf/Twitter

Die Al-Assad-Sportstadt liegt im Norden der Küstenstadt Latakia, pittoresk direkt am Meer. Der 1987 errichtete Komplex ist in die Jahre gekommen, in seiner Art für Syrien aber einzigartig: Zwischen mäandernden Wegen bröckelt der Beton von Schwimm- und Sporthallen, warten Tennis- und Reitplätze auf bessere Zeiten. Im Zentrum steht ein grosses Fussballstadion mit Zeltdach – eine vereinfachte Raubkopie des Münchner Olympiastadions.

Syriens Präsident Bashar al-Assad feiert in diesem Monat die Übernahme der Macht durch seine Familie.
Syriens Präsident Bashar al-Assad feiert in diesem Monat die Übernahme der Macht durch seine Familie.
Foto: Reuters

Falls in absehbarer Zeit wieder internationale Sportereignisse in Syrien stattfinden, dann hier. In einem gesicherten Komplex in der Gegend, aus der die religiöse Minderheit der Alawiten stammt, auf die das Assad-Regime seine Macht stützt.

Bis es so weit ist, soll nach dem Willen des Nationalen Sportverbandes eine andere Attraktion die Massen in die Sportstadt locken: das «Museum des Märtyrers und Goldenen Reiters Bassel al-Assad». Vergangene Woche öffnete der marmorverkleidete Bau mit blauer Glaskuppel. Umgeben von 8000 Quadratmetern Garten werden dort auf 350 Quadratmetern 60 Ausstellungsstücke präsentiert.

Der Vater des aktuellen Machthabers, Hafiz al-Assad, starb im Jahr 2000. Er putschte sich vor 50 Jahren an die Macht in Syrien.
Der Vater des aktuellen Machthabers, Hafiz al-Assad, starb im Jahr 2000. Er putschte sich vor 50 Jahren an die Macht in Syrien.
Foto: Barry Iverson (Getty Images)

Bassel al-Assad, der ältere Bruder des heutigen Diktators, begrüsst die Besucher als überlebensgrosse Marmorfigur in der Eingangshalle. Persönlich könnte er das nicht mehr: Der Mann, der eigentlich als Thronerbe vorgesehen war, starb 1994 bei einem Autounfall. So ist es nun an seinem Bruder Bashar, in diesem Monat ein besonderes Jubiläum zu feiern: Vor genau 50 Jahren hatte Vater Hafiz geputscht und der Familie die Macht gesichert, an die sie sich bis heute klammert.

80 Prozent der Syrer leben heute in Armut.

Doch auch noch Tage nach der Eröffnung provoziert der Bau grosse Wut unter Syrern – zumindest bei denen, die ihre Meinung frei im Netz äussern, weil sie ins Ausland geflohen sind. Ihre im Land verbliebenen Verwandten leiden derzeit unter der schwersten Wirtschaftskrise seit Syriens Unabhängigkeit: Die Inflation ist ausser Kontrolle, die Preise explodieren. An den Tankstellen warten teils mehr Autos, als auf den Strassen fahren, vor den Bäckereien stehen die Menschen Stunden, um vielleicht zwei Bündel aus billigem Weizen gebackenes Fladenbrot zu ergattern. Neun Jahre Bürgerkrieg, harsche US-Sanktionen und der Zusammenbruch des für Syrien wichtigen Bankensystems im Nachbarland Libanon haben dazu geführt, dass mehr als 80 Prozent der Syrer heute in Armut leben.

Sportlicher Freund musste ins Gefängnis

Das Regime hielt es in dieser Situation jedoch für sinnvoll, mehrere Millionen Dollar auszugeben, um an den sportlichen Bruder des Diktators zu erinnern: Bassel al-Assad war ambitionierter Reiter, nun sind von ihm errungene Medaillen, sein Sattel und seine Reituniform zu bewundern. Pferde sind das Steckenpferd der Assads, ihr Name ziert bei syrischen Turnieren stets die ersten Ränge. Einer Nichte von Bassel und Bashar al-Assad gelang 2019 sogar ein internationales Novum, als sie in einem Wettbewerb sowohl die Gold- als auch die Silbermedaille gewann.

Auch Bassel al-Assad soll nicht immer regelkonform gesiegt haben: Berichten zufolge liess er seinen Freund Adnan Kassar ins Gefängnis werfen, als der ihn sportlich zu überflügeln drohte. Kassar kam erst 2014 wieder frei, 20 Jahre nach dem Tod des «Goldenen Reiters». Erwähnt wird das im neuen Museum freilich nicht.

2 Kommentare
    Ismet Vural

    Auch ein Diktatur sollte sein Gesicht bewahren. Es ist so einfach leicht ein Mitglied der Diktaturfamilie als Maertyers ehren und ihn als goldenen Reiter erklaeren.

    Es ist schamlos, in den über 8-Millionen Syrer das Land als Flüchtlinge verlassen haben und weiteren 600 Hundert Tausend von Bomben des Diktaturs tot sind.

    Die Natur duldet kein Vakuum. Machtpolitik auch nicht, weigstens nicht auf Dauer.

    Ich teile meine Mitleid für die verbleibenden Syrer mit...