Pro und Contra

Soll die ZSG alle Schiffsstationen beibehalten?

Philippa Schmidt und Sibylle Saxer zur drohenden Aufhebung von schlecht frequentierten Schiffsstationen am Zürichsee.

Was passiert mit den Schiffsstationen am Zürichsee, an denen kaum jemand ein- und aussteigt?

Was passiert mit den Schiffsstationen am Zürichsee, an denen kaum jemand ein- und aussteigt? Bild: Archiv Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

PRO

Sibylle Saxer, Redaktorin

Der Auftrag an die Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) ist klar: Sie muss den Kostendeckungsgrad anheben– von 37 Prozent auf gegen 50 Prozent. Diesen Auftrag hat die ZSG vor Ostern gefasst. Als der Regierungsrat beschlossen hatte, den Schiffsfünfliber abzuschaffen. Dieser unpopuläre Zuschlag auf dem See war ein erster Versuch, die finanzielle Schieflage der ZSG auszugleichen. Er war nicht von Erfolg gekrönt.

Es ist klar: Ohne Änderungen wird die ZSG es nicht schaffen, ihr Betriebsergebnis um 1 bis 2 Millionen Franken zu verbessern. Allein mit dem Forcieren von touristischen Kursen und schicken Uniformen ist das Ziel nicht zu erreichen. Also muss die ZSG ihr Angebot durchleuchten. Sich unter anderem fragen, welche Linien und Haltestellen rentieren, welche nicht. Oder wie sie mit den Dampfschiffen weiter fahren will.

Es wäre eine unpopoläre Massnahme, wenn die ZSG ihr Haltestellennetz ausdünnte. Und etwa die Schiffhaltestellen Ürikon oder Oberrieden – wo im Jahr 2016 nur 974 respektive 2638 Passagiere zugestiegen sind – nicht mehr bediente. Aber das Schiff ist weder in Ürikon noch in Oberrieden die einzige öffentliche Verkehrsmittel. Im Gegenteil: Das Netz an Verbindungen ist in den meisten Zürichsee-Gemeinden mittlerweile dicht. Es zeugt von Nostalgie, wenn jemand meint, jede Gemeinde müsse mindestens eine eigene Schiffstation haben. Und Nostalgie kann sich die ZSG nicht leisten.

Die ZSG profitiert davon, Mitglied des Zürcher Verkehrsverbunds zu sein. Das ermöglicht ihr, Schifffahrten günstig anzubieten. Bringt aber auch Verpflichtungen mit sich. Namentlich sollen die Zürichseeschiffe nicht nur für Touristen fahren, sondern auch für die Menschen, die am Zürichsee leben und arbeiten. Vielleicht ist das eine oder andere Haltestellenopfer nötig, um das grosse Ganze des ZSG-Angebots zu retten.

CONTRA

Philippa Schmidt, Redaktorin

Verwunschen liegt sie da die Schiffstation Küsnacht-Goldbach. Aber ihr Anblick stimmt auch nostalgisch, denn hier legt seit 1997 kein Schiff der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) mehr an. Egal, ob es sich um die Kähne der Albisklasse oder die historischen Dampfschiffe handelt – sie alle lassen den Steg neben dem Terlinden-Kamin links liegen.

Das gleiche Schicksal könnte nun weiteren Schiffstationen rund um den See drohen. Namentlich Ürikon und Oberrieden haben niedrige Passagierfrequenzen, aber auch in Uetikon oder Altendorf steigen wenig Passagiere zu. Soll die finanziell klamme ZSG diese Stationen stilllegen und damit sparen?

Angesichts dessen, wofür die ZSG Geld ausgibt – zum Beispiel neue Uniformen – kann dies keine Lösung sein. Dass Stationen weniger gut genutzt werden, könnte nämlich schlicht und einfach auch damit zu tun haben, dass sie seltener angefahren werden. Wenn Haltestellen wie Zollikon beispielsweise in der grossen Rundfahrt nicht berücksichtigt werden, sind sie automatisch weniger attraktiv. Die Chance, dass sich jemand spontan für eine Schifffahrt entscheidet, sinkt.

Gerade Schiffstege sind von Bedeutung für die Region. Die Touristen welche am Bürkliplatz und in Rapperswil zusteigen sind morgen wieder weg. Sie nutzen die Schiffe niemals so nachhaltig wie Menschen, die am Zürichsee wohnen oder arbeiten. Deswegen sollte die ZSG die heimische Kundschaft pflegen. Ihre Schiffe sind nämlich mehr als nur Transportmittel oder Touristenattraktionen: Für Seebuben und Seemeitli verkörpern sie Heimat und hiesige Identität. Bereits jetzt hat die Zürichsee-Region damit zu kämpfen, dass manch ein Ort zur Schlafgemeinde verkommt und Traditionen sterben. Leisten wir dem nicht noch Vorchub, indem wir den Menschen ihre Schiffstationen nehmen. Zumal das Betreiben einer solchen gar nicht so teuer sein kann, werden doch nicht einmal Billettautomaten benötigt.

Erstellt: 01.06.2018, 17:08 Uhr

Sibylle Saxer, Redaktorin.

Philippa Schmidt, Redaktorin.

Artikel zum Thema

Schiffsstationen in Bedrängnis

Zürichsee Nicht alle Haltestellen der ZSG sind gut frequentiert. Eine Rangliste zeigt, welche Stationen top sind und wo kaum jemand ein Schiff besteigt. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!