Pro & Kontra

Moderner Hingucker oder stillose Schuhschachtel?

Sichtbeton und goldenen Fassade: Die Pläne für das neue Visitor Center auf dem Rapperswiler Fischmarktplatz spalten die Gemüter in der Rosenstadt. Des einen Freud ist hier des anderen Leid.

Im goldenen Kleid soll das Visitor Center künftig erstrahlen. Visualisierung:

Im goldenen Kleid soll das Visitor Center künftig erstrahlen. Visualisierung: Bild: zvg/Visualisierung

PRO

Es braucht Mut zu neuem Glanz

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan: Das wünscht sich die Stadt Rapperswil-Jona für das Visitor Center, und sie ist auf gutem Weg. Grau in grau, langweilig und kalt kommt das ehemalige Zirkusmuseum schon viel zu lange daher, ein trauriger Klotz an prominenter Lage. Höchste Zeit, dass sich das ändert und ein Prinz das unschöne Gebäude aus dem Dornröschenschlaf wachküsst. Ein Facelifting soll es nun richten, in edlem Perl-Gold oder bronzefarben soll das Visitor Center zum Publikumsmagnet werden.

Ein moderner Look, ein frischer Anstrich ist genau das, was das 25 Jahre alte Gebäude dringend nötig hat. Es braucht eine Veränderung, einen optischen Hingucker mit Strahlkraft. Das ist der Stadt mit der kürzlich präsentierten Visualisierung zweifellos gelungen. Kritiker mögen monieren, das Gebäude füge sich architektonisch nicht ins Gesamtbild ein oder wünschen sich vielleicht etwas, das eher zum Stil der Altstadt und den historischen Mauern des Schlosses passen würde. Das ist ein Stück weit nachvollziehbar. Trotzdem plädiere ich in diesem Fall für mehr Mut: Rapperswil-Jona ist eine moderne Stadt und soll auch als solche erkennbar sein. Mit einer Infrastrukutur, die neugierig macht und die Besucher anlockt. Ausserdem darf die Stadt mit Stolz zeigen, was sie zu bieten hat: Die neue Terrasse mit Ausblick auf See, Schloss und Hafen dürfte im Sommer zu einem beliebten Ort der Begegnungen werden.

Nicht zuletzt ist die Sanierung gut durchdacht: Statt einem aufwändigen und teuren Neubau wird das bestehende Gebäude einfach weiterentwickelt – sozusagen ein Rohdiamant, der geschliffen wird. Lässt sich hoffen, dass die Rapperswil-Joner diese Chance erkennen und zulassen, dass die Stadt ein glänzendes Ass aus dem Ärmel zieht. (Ramona Kriese)

Als graue Maus kam das Gebäude bisher daher. Bild: Sabine Rock

KONTRA

Eine Schuhschachtel bleibt, was sie ist

Aus einen schmucklosen Bau soll ein Ort mit Ausstrahlung werden. So weit, so gut. Der Stadtrat scheint dieses Vorhaben nun aber etwas gar wörtlich zu nehmen. Ein gold-bronzenes Kleid um das bisherige Gebäude soll dem Visitor Center den gwünschten Aufschwung bescheren.

Schlappe drei Millionen Franken kostet das edle Gewand. Ganz schön viel Geld für einen kosmetischen Eingriff. Denn viel mehr als ein Faceliftig verbirgt sich hinter den Umbauplänen des Stadtrats wahrlich nicht. Ein bisschen Farbe da, ein wenig Kleister dort und schon erstrahlt der indie Jahre gekommene Betonklotz auf dem Fischmarktplatz in neuem Glanz.

Zugegeben, die Umbauarbeiten sind ein cleverer Schachzug der Stadt. Denn ein Neubau hätte eine öffentliche Ausschreibung des Projekts unumgänglich gemacht. So aber konnte der Stadtrat den Auftrag aus eigener Hand vergeben. Damit hat er aufs Erste wohl viel Zeit und auch Nerven gespart.

Aus demokratiepolitischer Sicht ist das Ganze aber mehr als bedenklich. Zumal der Schuss tüchtig nach hinten losgehen kann. Den Bürgern von Rapperswil-Jona, die für ihre lebhafte Diskussionspolitik bekannt sind, ein pfannenfertiges Grossprojekt zu servieren ist blauäugig. Zweifellos wäre es klüger gewesen, man hätte früher den Dialog mit der Bevölkerung gesucht. Denn wer sich hintergangen fühlt, kann all zu schnell zum Spielverderber werden.

Hinzu kommt: So gut die Idee einer Modernisierung auch sein mag, so schlecht passt eine güldene Schuhschachtel ins Stadtbild. Zumal es der ehemals bronzene Zwischenbau des Stadtmuesums mehr als deutlich macht, wie schnell Glanz und Pracht verflogen sein können. Und einen zweiten Janus kann die Altstadt nun wirklich nicht gebrauchen. (Fabienne Sennhauser)

Erstellt: 27.04.2018, 16:29 Uhr

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Pro

Ramona Kriese, Redaktorin

Kontra

Fabienne Sennhauser, Redaktorin

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