Leitartikel

Zuschlag für Raddampfer ist zu prüfen

Ein Zuschlag, um die Dampfschiffe der ZSG zu retten: Davon würden sich wohl auch Touristen nicht abschrecken lassen.

Der Unterhalt der alten Raddampfer kostet die ZSG viel Geld – die Einführung eines Schiffszuschlages würde im Falle der Oldtimer Sinn machen.

Der Unterhalt der alten Raddampfer kostet die ZSG viel Geld – die Einführung eines Schiffszuschlages würde im Falle der Oldtimer Sinn machen. Bild: Keystone

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Ein Satz hat mich diese Woche besonders gefreut. Roman Knecht, Direktor der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG), sagte, es sei kein Thema, die zur Flotte gehörenden historischen Dampfschiffe Stadt Zürich und Stadt Rapperswil auszumustern. Diese Aussage konnte in dieser Klarheit nicht unbedingt erwartet werden. Denn gleichzeitig gab Knecht bekannt, dass die «Stadt Zürich» das ganze Jahr über in der Werft bleibt. Zwei defekte Teile verhindern einen Einsatz im Publikumsverkehr. Rund 100'000 Franken muss sich die ZSG die Reparatur kosten lassen.

Der Betrag wäre an sich nicht besorgniserregend, wäre da nicht die Vorgeschichte. Das Schiff verursachte wegen Umbau und Reparaturen in den letzten 15 Jahren Kosten von 3,7 Millionen Franken. Für das Schwesterschiff Stadt Rapperswil mussten im gleichen Zeitraum ebenfalls 2,5 Millionen Franken für Reparaturarbeiten aufgewendet werden. Dieses Schiff stand nach einem Unfall 2015 fast zwei Jahre lang still. Es stellt sich also sehr wohl die Frage, ob Aufwand und Ertrag für die beiden Raddampfer die Waage halten. Dies auch unter dem Eindruck der Vorkommnisse im letzten Jahr. Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) hat den tiefen Kostendeckungsgrad der ZSG beanstandet und Verbesserungen gefordert. Die auch im Unterhalt deutlich teureren Raddampfer tragen in keinster Weise zu einer Entspannung der Lage bei.

Umso erfreulicher also, dass die ZSG bereit ist, in die Schiffe zu investieren. Gemeinsam mit dem ZVV, dem Verein Pro Raddampfer und dem Lotteriefonds sei man bestrebt, die historischen Zeitzeugen auch zukünftig zu pflegen. Trotzdem: Der Kostendruck wird nicht abnehmen. Eine zweite Aussage von ZSG-Direktor Knecht finde ich deshalb riskant. Für ihn ist es nämlich auch kein Thema, die Passagiere nur noch gegen einen Zuschlag auf die Dampfschiffe zu lassen.

Fakt ist: Passagiere und Gemeinden lehnen einen Zuschlag für Querkurse zwar kategorisch ab – Regierungsrätin Carmen Walker Späh musste im vorigen Jahr den zur Kostenverbesserung eingeführten Zuschlag von 5 Franken für Schiffsbillette unter öffentlichem Druck wieder abschaffen. Ein Zuschlag für Dampfschiff-Erlebnisse zusätzlich zum normalen Fahrplan würde aber goutiert werden. Das zeigen frühere Aussagen von Gemeindevertretern, aber auch von Leserinnen und Lesern.

Kein Wunder: Angesichts der verhältnismässig hohen Kosten, welche die Raddampfer auch im normalen Unterhalt verursachen, wäre der Aufpreis nachvollziehbar. Die beiden Schiffe sind schwimmende Sympathieträger: Sie strahlen Nostalgie in ihrer schönsten Form aus. Fahrgäste können auf Rundfahrten einen erlebnisreichen Tag geniessen und sich am Zischen und Stampfen, an der Hitze und dem Ölgeruch, die aus dem Maschinenkoloss im Schiffsbauch strömen, ergötzen.

Dafür einen Zuschlag von zum Beispiel 10 Franken zu zahlen und damit ein schwimmendes Museum zu unterstützen, das macht man gerne. Bestimmt würden sich auch Touristen nicht abschrecken lassen. Man rechne: Bei 750 Passagieren, die auf einem Schiff Platz finden, käme über das ganze Jahr ein hübsches Sümmchen zusammen. Die ZSG tut aus meiner Sicht gut daran, sich diese Option nochmals zu überlegen, bevor der Kostendruck plötzlich doch zu gross ist.

Die Zürichsee-Schiffahrtgesellschaft will an den historischen Schiffen festhalten. Das sollte uns etwas wert sein. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.04.2019, 16:39 Uhr

Philipp Kleiser, stv. Chefredaktor Zürichsee-Zeitung. (Bild: pd)

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