Leitartikel

Ein Kampf gegen Windmühlen

Fabienne Sennhauser zum Drama um den Ausbau der Doppelspur zwischen Schmerikon und Uznach.

Der Doppelspurausbau führt in Schmerikon zu längeren Schliesszeiten am Bahnübergang Allmeind. Diese wiederum verursachen Rückstaus bis ins Dorfinnere.

Der Doppelspurausbau führt in Schmerikon zu längeren Schliesszeiten am Bahnübergang Allmeind. Diese wiederum verursachen Rückstaus bis ins Dorfinnere.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die SBB planen auf der Strecke Uznach–Schmerikon einen Doppelspurausbau. Kanton und Region stehen geeint hinter dem Projekt. Geeint? Nein! Ein von unbeugsamen Seebuben und -Mädchen bevölkertes Dorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Besagter Doppelspurausbau führt in Schmerikon zu längeren Schliesszeiten am Bahnübergang Allmeind. Diese wiederum verursachen Rückstaus bis ins Dorfinnere. Klar also, dass der Gemeinderat nicht einfach zuschauen kann, wie sein Dorf ins heillose Verkehrschaos stürzt.

Aus der Perspektive der Gemeinde ist der Widerstand gegen den Doppelspurausbau nachvollziehbar. Stehen die Verbesserungen für Kanton und Region doch im grossen Kontrast zu den Nachteilen für Schmerikon. So sieht der neue Fahrplan für das Seedorf etwa keine direkte Verbindung mehr nach St.Gallen vor. Für eine Gemeinde, die sich 20 Jahre lang an einem Voralpenexpress-Halt erfreute, kommt dies einem kleinen Erdbeben gleich. Es ist blauäugig zu glauben, ein derartiger Verlust löse keine Reaktionen aus.

Trotz all ihres Widerstands, kann man der Gemeinde Schmerikon eines sicher nicht vorwerfen: mangelnde Gesprächsbereitschaft. Stets zeigte sich der Gemeinderat offen, mit Kanton und SBB zu verhandeln. Auch jetzt, nachdem die Gemeinde eine Beschwerde gegen die Baubewilligung des Bundesamtes für Verkehr (BAV) angekündigt hat, hofft Gemeindepräsident Félix Brunschwiler noch immer auf eine Einigung vor Ablauf der Beschwerdefrist.

Demokratiepolitisch ist die Haltung des Seedorfs jedoch bedenklich. Denn mit ihrer Einsprache gegen den Doppelspur- ausbau bremst die Gemeinde ein besseres Bahnangebot für die ganze Region aus. Auf dem Streckenabschnitt Uznach–Schmerikon– Rapperswil könnten künftig doppel so viel Züge am Tag verkehren. Ursprünglich sollte der neue Fahrplan mit Ende 2019 kommen. Inzwischen hat sich das Projekt bereits um mindestens 24 Monate verschoben. Das ist auch deshalb bedenklich, da sich Schmerikon bei einem Treffen der Region Zürichsee-Linth im Jahr 2017 als einzige Gemeinde gegen das Projekt aussprach und bei der zugehörigen Abstimmung klar überstimmt wurde. Das Handeln des Seedorfs widerspricht also durch und durch dem Kollegialitätsprinzip. Wenn künftig jede Gemeinde, die sich durch ein regionales Projekt benachteiligt fühlt dieses boykottiert, wird die Region keine Fortschritte mehr erzielen.

Eine Kehrtwende ist nicht mehr zu erwarten. Lenkt die Gemeinde jetzt ein, verliert sie ihre Glaubwürdigkeit. Auch SBB und Kanton haben ihrerseits klar signalisiert, dass alles gesagt sei. Zumal der Gemeinde Hand geboten wurde, eine Lösung für den zu erwartenden Rückstau zu finden. So erarbeitet das kantonale Tiefbauamt derzeit ein Genehmigungsprojekt für ein Teilsstück der regionalen Umfahrungsstrasse A53-Gaster.

Schmerikon müsste den vorgezogenen Abschnitt jedoch vorfinanzieren. Dieses Risiko will die Gemeinde nicht eingehen. Für den neutralen Betrachter erscheint diese Haltung bewundernswert. Unverdrossen kämpft der Gemeinderat für sein kleines «gallisches» Dorf. Er muss nur aufpassen, dass er sich nicht ins eigene Fleisch schneidet. Denn wer nicht will, der hat gehabt. Im schlimmsten Fall muss das Seedorf dann mit dem Abbau auf der Schiene und dem Verkehrschaos im Dorf vorlieb nehmen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.07.2018, 16:50 Uhr

Fabienne Sennhauser, Redaktorin Zürichsee-Zeitung.

Artikel zum Thema

Der einsame Kampf des Seedorfs

Schmerikon Der Gemeinderat fordert von SBB und Kanton, dass diese sich zu gleichen Teilen an einer Verbindungsstrasse zur A53 beteiligen. Es droht eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.