Leitartikel

Der schwierige Weg aus der Sackgasse

Philipp Kleiser, stv. Chefredaktor, zur verzwickten Causa Stadthausareal und der unglücklichen Rolle, die der Adliswiler Stadtrat dabei gespielt hat.

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Was lange währt, wird endlich gut. Das könnte man vom Projekt für die Überbauung des Adliswiler Stadthausareals sagen. Im 2011 kürte eine Fachjury das Siegerprojekt aus zwölf eingereichten Vorschlägen. Vier Häuser sollen auf dem 6000 Quadratmeter grossen Areal in der Zentrumszone zu stehen kommen. Jetzt endlich, nach sieben langen Jahren, werden die Stimmbürger im nächsten Jahr an der Urne dazu Stellung nehmen können.

Alles gut also? Mitnichten. Das zeigte die Sitzung des Grossen Gemeinderates am Mittwoch. Eigentlich ging es nur darum, dass das Parlament dem Stimmbürger im Weisungsheft eine befürwortende oder ablehnende Haltung mitgibt. Doch das Ganze wuchs sich zu einer Art Grundsatzdiskussion aus, sogar ein Rückweisungsantrag wurde gestellt. Die Parteien verlangten einen Sitzungsunterbruch, um sich aufgrund der komplexen Debatte über ihre Positionen beraten zu können. Das Büro des Gemeinderates ordnete eine weitere Pause an, um juristische Fragen zu klären. Dass das Parlament am Schluss irgendwie halbherzig mit 19 zu 16 Stimmen eine positive Empfehlung beschloss, hat den Anstrich eines Zufallsergebnisses.

Gut wäre definitiv anders. Und das ist frustrierend. Auch für die Bevölkerung. 100 interessierte Adliswilerinnen und Adliswiler hatten sich im April 2010 zu einem Workshop getroffen. Gemeinsam diskutierten sie, wie die optimale Nutzung des Areals aussieht. Vor allem aus diesen Vorschlägen gingen schliesslich die Nutzungsvorgaben für den Investorenwettbewerb hervor: ein Hotel mit Restaurant, Banketträume, Parkiermöglichkeiten, altersgerechte Wohnungen, Gewerbe- und Dienstleistungsräume. Und natürlich ein attraktiv gestaltetes Sihlufer.

Das Siegerprojekt aus dem anschliessenden Investorenwettbewerb schien den Adliswilerinnen und Adliswilern zu passen. Das zeigte die Ausstellung zur Überbauung des Areals im Januar 2012. Es gab viele positive Reaktionen. Kritik wurde weniger am baulichen Konzept geäussert, sondern an der Tatsache, dass die Stadt einen Teil des attraktiven Landes verkauft, statt alles im Baurecht abzugeben.

Und auch das Parlament war sich im Dezember 2015 für einmal fast einig. Es sagte mit 30 zu 4 Stimmen Ja zur Neugestaltung des Stadthausareals und zum Verkauf des Areals für 8,1 Millionen Franken. So sagte CVP-Gemeinderat Thomas Fässler damals etwa, dass das Siegerprojekt gut zur Stadt Adliswil passe.

Das war vor genau drei Jahren. Seither ist viel passiert. Eine vom Verwaltungsgericht gutgeheissene Stimmrechtsbeschwerde hat dazu geführt, dass das Landgeschäft nicht wie vom Stadtrat ursprünglich beabsichtigt vom Parlament gutzuheissen ist, sondern von der Bevölkerung an der Urne.

Der Irrtum des damaligen Stadtrats ist folgenschwer: Das Projekt ist immer noch das gleiche wie jenes im 2011. In den letzten sieben Jahren ist aber einiges passiert. In der Umgebung gibt es andere Hotelprojekte, zum Beispiel Green City in Zürich-Manegg. Auch ein Ärztehaus ist nicht mehr so dringend, weil es in der Zwischenzeit Alternativen in der Umgebung gibt. Nicht zu vergessen die Landpreise: Sie dürften in den vergangenen Jahren sicher gestiegen sein.

Daniel Frei (Freie Wähler) brachte es am Mittwoch auf den Punkt: «Sind wir noch bereit, zu den gleichen Bedingungen zuzustimmen? Ich bin nicht sicher.» Klar ist: Vertragliche Änderungen sind nicht möglich, sie würden einen Vertragsbruch mit der Investorin, der Leutschenbach AG, darstellen.

Immer wieder ist auch das Geld ein Thema: Weil mittlerweile die Jurierung und die Angebote im Investorenwettbewerb vollständig transparent gemacht wurden, wird in der Weisung für alle klar sichtbar sein: Die Stadt verzichtet auf Einnahmen von maximal 11 Millionen Franken. Das ist die Differenz zwischen dem Kaufangebot des von der Jury ausgewählten Gewinners und dem höchsten Kaufangebot – selbst wenn dieses Projekt die gestellten Auflagen nicht erfüllt hat. Das heisst umgekehrt: Der Verzicht auf bis zu 11 Millionen Franken ist der Preis für die gemachten Vorgaben.

Die Situation ist verzwickt. Man stelle sich vor: Mit einem Ja erhält Adliswil vielleicht Gebäude, die es mittlerweile nicht mehr braucht oder nicht mehr will. Ein Nein dagegen bedeutet: Zurück auf Feld 1. Für Nachverhandlungen mit der Investorin gibt es keinen Handlungsspielraum. Die Arbeit von acht Jahren wäre zunichte gemacht. Ja, irgendwie steckt man in einer Sackgasse. Und das für eine Überbauung, die Anfang 2012 als Vorzeigeprojekt vorgestellt wurde.

Die Stimmbürger sind nicht zu beneiden. Sie werden an der Urne das kleinere Übel zu wählen haben. Eine frustrierende Erkenntnis für die so wichtige Zentrumsentwicklung an bester Lage Adliswils. (zsz.ch)

Erstellt: 14.12.2018, 15:37 Uhr

Philipp Kleiser, stv. Chefredaktor

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