Pro & Kontra

Sollen Gemeinden Badis an Dritte vermieten?

Dass Männedorf die Badi im Hochsommer für einen kommerziellen Anlass einen ganzen Tag schliesst, ist vielen Badegästen sauer aufgestossen. Sollen Gemeinden Badis in den Sommerferien an Dritte vermieten dürfen? Ein Pro & Kontra.

Bild: Patrick Gutenberg

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PRO

Mit attraktiven Anlässen die Schlafgemeinde bekämpfen

Zugegeben, die Vermietung des Männedörfler Strandbads für eine Electro-Party vor zwei Wochen ist nicht optimal gelaufen. Zum einen wurde nach dem Anlass mangelhaft aufgeräumt, zum anderen im Vorfeld der Party zu wenig informiert. Der Männedörfler Gemeindeschreiber Jürg Rothenberger hatte allerdings recht, als er in der ZSZ sagte, dass man auch Anhängern solcher Anlässe etwas bieten müsse. In den Dörfern am Zürichsee gibt es zuhauf Veranstaltungen für Familien und Leute mittleren und älte­ren Datums: Junge Erwachsene gehen­ hingegen oft leer aus und verbringen ihren Abend deswegen in Zürich.

Mit Veranstaltungen wie der Party mit elektronischer Musik würde der Kontakt junger Menschen ­– auch solcher, die hier aufgewachsen und wegen hoher Mietpreise weggezogen sind – zu ihren Gemeinden besser gehalten werden. Dafür hätte man im Fall Männedorf den Anlass­ aber auch transparent und selbstbewusst ankündigen müssen. Positiver Nebeneffekt: Wenn man einen Anlass offen­siv bewirbt, können die Badegäste auch besser planen. Dass eine Badi in erster Linie für das Bad im See da ist, steht ausser Zweifel. Doch seien wir ehrlich: Wenn man ein Strandbad ein-, zwei- oder höchstens dreimal pro Jahr vermieten würde, bedeutet das noch lange nicht, dass die Bürger deswegen auf einen erfrischenden Schwumm oder ihr Sonnenbad verzichten müssen. Die Badidichte am See ist hoch und der Weg ins Bad der Nachbargemeinde nirgends weit.

Und warum nicht auch einmal den mone­tären Ansatz diskutieren? Zumal Badeanstalten eine einmalige Lage bieten und zu einem guten Preis vermietet werden könnten. Durch entsprechende Einnahmen könnte man das Minus der vieler­orts defizitären Badis etwas reduzieren. Wichtig wäre, dass die Zahl solcher Vermietungen nicht überhandnimmt und es sich um Anlässe für die Öffentlich­keit und nicht um Privatveranstaltungen handelt­. So könnten die Kommunen mit der Vermietung von Bade­anstalten oder auch öffentlicher Parks für attraktive Veranstaltungen gegen ihr Schlafgemeindenimage ankämpfen. (Philippa Schmidt)

KONTRA

Eine Party darf Badegäste nicht ausschliessen

Es gibt sicher grössere Pro­bleme in der Welt als dieses: Mitten in den Sommerferien strömen mehrere Männe­dörf­ler zum Strandbad Sonnenfeld – nur um festzustellen, dass sie hier an diesem einen Tag nicht als Badegäste willkommen sind: Eine Electro-Party findet statt, die Gemeinde hat die Anlage an einen kommerziellen Anbieter vermietet. Hin­ein kommt nur, wer bis zu 79 Franken Eintritt für den Anlass bezahlt. Wer nicht für so viel Geld ins Wasser will, muss in die Pfruenderhaab, in die Badi Stäfa oder in die benachbarten Seegärten ausweichen – oder sich einfach zu Hause in die Badewanne legen.

Das ist doch alles verkraftbar, könnte man nun einwenden – zumal es am besag­­ten Tag ohne­hin nicht besonders gutes Wetter war und wohl niemand vor Hitze kollabierte, weil er nicht in die Badi­ konnte. Doch geht es in diesem Fall weniger um den Einzelfall als um Grundsätzliches: Die Badi mitten in den Sommerferien für die Allgemeinheit zu schliessen, zeugt von wenig Sensi­bilität. Denn gerade zu dieser Jahreszeit herrscht in der Bevölkerung grosse Nach­frage nach dem Angebot. Familien, die nicht während der ganzen Sommerferien verreist sind, freuen sich, wenn sie im eigenen Dorf ein Angebot haben, das Feriengefühle aufkommen lässt. Und Berufstätige, die unter der Woche im Büro schwitzen, sind dankbar, wenn sie an einem Samstag – also an jenem Wochentag, an dem die Badi fremdvermietet wurde – Erfrischung finden.

Kurz gesagt: Die Badi ist in erster Linie für die Männe­dörf­ler da und nicht für auswärtiges Partyvolk. Denn schliesslich kommen die Männedörfler für ihre Badi auf: Selbst jene, die nie einen Fuss ins Strandbad setzen, leisten dazu einen Beitrag. Mit den Eintritten allein lassen sich nämlich die Kosten für Löhne und Unterhalt nicht finanzieren. Das Defizit übernimmt die Gemeinde – und damit der Steuerzahler. Im vergangenen Jahr zahlten sie knapp 107 000 Franken an die Ausgaben von 207 000 Franken. Da dürfen sie auch erwarten, dass ihnen in der Hauptsaison der Zugang nicht verwehrt bleibt. (Michel Wenzler) (zsz.ch)

Erstellt: 13.08.2018, 09:39 Uhr

Pro

Philippa Schmidt, stv. Redaktionsleiterin Ausgabe Meilen

Kontra

Michel Wenzler, Redaktor

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