Pro und Kontra

Ein Faible fürs Feuer – aber für welches?

Zwei Klassiker beschert uns der 1. August: das Höhenfeuer und das Feuerwerk. Doch nicht alle können sich für beides begeistern. Was ist schöner, das Feuer im Freien oder der Lichterzauber am Himmel?

Soll es am 1. August ein knalliges Feuerwerk sein? Oder doch lieber ein gepflegtes Höhenfeuer?

Soll es am 1. August ein knalliges Feuerwerk sein? Oder doch lieber ein gepflegtes Höhenfeuer? Bild: Keystone

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Höhenfeuer

Grösser könnten die Gegensätze gar nicht sein: Hier das sinnlose Rumgeknalle von Feuerwerkskörpern über dem See und in den Quartieren jedes Dorfs, dort das sinnliche Höhenfeuer auf den Ausläufern des Pfannenstiels und des Zimmerbergs. Wer am 1. August wirklich innehalten möchte, sollte sich deshalb lieber auf die Wiese setzen und ins lodernde Feuer blicken, das sich langsam durch einen riesigen Holzstapel frisst. Das ist weitaus entspannender als das Farbengewitter, das während der Feuerwerke über unsere Netzhaut blitzt. Es ist auch angenehmer als der Pulverdampf der Raketen, der uns die Nasenschleimhaut verätzt, und schmeichelhafter als der Donnerknall, der beinahe das Trommelfell zerfetzt.

Das Beste aber: Das Höhenfeuer wird schnell zum Höhlenfeuer, das uns zurück in eine Zeit wirft, als wir noch ohne technischen Schnickschnack das Leben meisterten und sich der Blick aufs Wesentliche richtete. Es ruft archaische Erinnerungen hervor, die in unserem Unterbewusstsein schlummern, und appelliert an unsere Urinstinkte. Es weckt den Höhlenmenschen in uns, dessen grösste Sorge es war, ein wärmendes Feuer zu entfachen, und der es genoss, mit seiner Grossfamilie um die zündelnden Flammen zu sitzen und Geschichten zu erzählen.

Mag sein: Das ist etwas viel Sozialromantik – aber dafür sollte am 1. August, an dem die Nation zusammenrücken soll, Platz sein. Ein Feuerwerk verbindet hingegen weniger, es mag sogar entzweien: Der Krach lässt uns zusammenzucken, und wer nicht weiss, ob irgendwo noch ein Querschläger von privaten Zünslern herumfliegt, zieht lieber den Kopf ein, als sich um seine Nächsten zu kümmern.

Feuerwerk

Klimawandel hin, CO2-Emission her: Lebensfreude ist auch ein Daseinszweck. Darum gehören für mich sowohl Höhenfeuer als auch Feuerwerk zum Nationalfeiertag. Wenn der nächtliche Himmel mit funkelnden Farben verziert wird und sich alle Augen nach oben richten, ist für alle erkennbar: Das Fest hat seinen Höhepunkt erreicht. Das haben die beiden bombastischen Feuerwerke am Zürifäscht vor drei Wochen bewiesen, die von über einer Million Menschen bestaunt wurden.

Natürlich, mit jeder Rakete wird Feinstaub in die Luft geschossen, werden Spuren von Schwermetall freigesetzt. Dennoch möchte ich dieses Spektakel nicht missen, vor allem nicht am Nationalfeiertag. Wann sonst, wenn nicht zum Geburtstag der Heimat, soll in der Gemeinschaft gefeiert werden dürfen – mit Feuerwerk? In der Schweiz regelt das Gesetz, wann Feuerwerke abgebrannt werden dürfen: Am 1. August und zu Silvester. Für alle übrigen Anlässe braucht es eine kommunale Bewilligung.

Ich würde auch das Jekami-Geböller verbieten. Denn was da millionenfach von Privatpersonen abgefeuert wird, verdient meist den Namen Feuerwerk nicht. Die Mehrzahl der Raketen erzeugt nur ein grelles Zischen, einen Blitz und einen Mordsknall. Das kehrt den Sinn des Feuerwerks um. Statt den Menschen am Boden mit Farben und Sternenglitzer Freude zu bereiten, werden sie (und die Tiere) nur erschreckt – Terror aus der Nachbarschaft. Ein Feuerwerk soll den Profis überlassen werden, die zu einem vorgegebenen Zeitpunkt für gemeinsame Begeisterung sorgen. Danach ist wieder feierliche Ruhe.

Erstellt: 26.07.2019, 13:07 Uhr

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