Kommentar

Die Kirche vergisst die passive Mehrheit

ZSZ-Redaktor Michel Wenzler zur geplanten Kirchgemeinde-Fusion in Stäfa und Hombrechtikon.

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Epochales zeichnet sich in Stäfa und Hombrechtikon ab: eine Fusion der beiden Kirchgemeinden. Möglichst breit sollten solche einschneidenden Änderungen diskutiert werden. Bisher ist aber das Gegenteil geschehen. Zwar luden die Kirchenpflegen vor den Sommerferien zu Informationsveranstaltungen ein, angekündigt über ihre eigenen Kommunikationskanäle. Auch die Weisung über die Abstimmung ist gleichzeitig mit der Zeitschrift «Reformiert» an alle Stimmberechtigten gegangen. Aber: Die Kirche erreicht damit nur einen Teil ihrer Mitglieder – in erster Linie jene, die sich aktiv am Kirchenleben beteiligen. Die Gefahr ist gross, dass viele passive Mitglieder die Neuigkeiten nie gelesen haben, weil sie kirchliche Informationskanäle gar nie nutzen.

Selber schuld, könnte man nun argumentieren. Die Behörden sollten sich jedoch nicht auf diese Haltung versteifen. Es muss in ihrem Sinne sein, dass möglichst viele Reformierte Bescheid wissen. Deshalb ist keine Informationspolitik gefragt, die sich am inneren Kern von einigen Hundert Personen orientiert, sondern eine aktive Kommunikation, die sich an die breite Öffentlichkeit richtet, indem sie sich beispielsweise auch über Zeitungen und soziale Medien an die Öffentlichkeit wendet. Je mehr Kanäle bespielt werden, desto höher die Reichweite.

Denn auch wenn viele passive Kirchenmitglieder – es dürften Tausende sein – im Alltag gleichgültig eingestellt sind gegenüber kirchlichen Aktivitäten, geht sie eine allfällige Fusion etwas an. Immerhin zahlen sie Kirchensteuern. Vielleicht möchten sie dieses eine Mal doch mitreden. Die Kirche profitiert nur davon, wenn die Debatte über die strategische Ausrichtung breit abgestützt ist, und das bereits in einer frühen Phase. Schon oft ist es nämlich in der Region vorgekommen, dass am Schluss Stimmberechtigte einer Vorlage nur deshalb eine Abfuhr erteilten, weil sie sich nicht richtig eingebunden fühlten. Das wäre schade um die wertvolle Arbeit, welche die Milizbehörden verrichten.

Erstellt: 05.08.2019, 21:14 Uhr

Michel Wenzler, Redaktor

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