Pro und Kontra

Brauchts den Güselsack auch bei der Post?

Soll die Post den Verkauf von Güselsäcken und Abfallmarken einstellen?

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PRO

Philipp Kleiser, stv. Chefredaktor Zürichsee-Zeitung.

Eigentlich ist der Fall klar. Die Post hat festgestellt, dass der Verkauf von Güselsäcken und Abfallmarken in ihren Postfilialen nicht wirtschaftlich ist. Darum hat sie entschieden, die Produkte ab Ende 2018 nicht mehr zu verkaufen.

Das ist nichts als konsequent. Die Post gehört als Aktiengesellschaft zwar zu 100 Prozent dem Bund. Doch auch sie muss betriebswirtschaftlich denken. Sie kann es sich nicht erlauben, ständig Defizite zu schreiben. Alle, die nun nach Service public schreien, sollen sich überlegen, ob sie denn auch bereit sind, den Verkauf von Güselsäcken oder Post-its mit ihren eigenen Steuergeldern zu subventionieren.

Überhaupt frage ich mich, ob das Verkaufen von Abfallsäcken und Abfallmarken zu den Kernkompetenzen der Post zählt. Die Post soll sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: das Austragen von Post, das Abwickeln von Postgeschäften. Dort hat sie einen Service public Auftrag, und dort soll sie notfalls auch Subventionen erhalten. Alles andere ist Beilage. In diesen Zusatznischen hat sich die Post in der Vergangenheit genug wandelbar und innovativ gezeigt. Sie hat Öffnungszeiten den Bedürfnissen angepasst. Sie hat ihr Produktportfolio erweitert, verkauft auch Stifte, Stempel oder Veranstaltungstickets. Wenn Güselsäcke nun nicht mehr zur Beilage gehören, weil deren Verkauf nicht mehr rentiert, dann ist es halt so. Natürlich höre ich schon den Vorwurf. Schon wieder ein Abbau von Dienstleistungen der Post. Schon wieder weniger Kunden. Und als Folge davon schon wieder Poststellen, die geschlossen werden, weil sie nicht mehr rentieren. Aber ernsthaft: eine Handvoll verkaufter Güselsäcke rettet keine einzige Poststelle.

Man kann die Sache auch umgekehrt sehen. Die Güselsäcke müssen bei anderen lokalen Anbietern – von denen es wahrhaft genug gibt – gekauft werden. Davon profitieren der Volg oder die Dorfdrogerie. Vielleicht erhalten sie dadurch neue Kunden. Gemeindeverwaltungen, welche Abfallmarken verkaufen, können mit ihren Dorfbewohnern in Kontakt kommen und Barrieren zwischen Verwaltung und Bevölkerung abbauen. Provokativ formuliert: Die Post stärkt mit diesem Entscheid den sozialen Austausch im Dorf und damit das Dorfleben.

KONTRA

Conradin Knabenhans, Mitglied Redaktionsleitung Zürichsee-Zeitung.

Dieser Entscheid der Post ist für die Tonne. Gebührensäcke und Abfallmarken in einer Postfiliale zu verkaufen, das ist Service public. Die Kundennähe der Post ist offenbar je länger je mehr nur noch eine Worthülse. Die Tarnung ist längst aufgeflogen: Die Post ist ein profitorientiertes Unternehmen, das seine Gewinne maximieren will. 420 Millionen Franken waren es im vergangenen Jahr. Betriebsökonomen werden mit Blick auf den Rauswurf der Gebührensäcke argumentieren, dass Kleinvieh eben auch Mist macht. Entweder geben die Gemeinden mehr Provision oder man spart sich den Verkauf ein. Verlierer in diesem rappenspaltenden Gewinnmaximierungsspiel ist der Kunde.

Natürlich kann man Gebührensäcke auch an anderen Orten kaufen. Im Grossverteiler, manchmal in einer Drogerie. Man darf aber dabei eines nicht vergessen: Nicht in allen Regionen gibt es einen Gebührensack für alle Gemeinden zu kaufen, wie etwa am linken Zürichsee-Ufer. Verständnis für den Entscheid der Post zu zeigen ist bedeutend einfacher, wenn man in Horgen einen Gebührensack für Richterswil kaufen kann. In anderen Regionen sieht das anders aus. In kleineren Dörfern mit eigenen Gebührenmarken wird die Auswahl an Verkaufsstellen plötzlich sehr klein. Und beim besten Willen: Auch die Dorfdrogerie wird mit dem Verkauf der Gebührensäcke nicht reich. Aber hier zählt der Dienst am Kunden eben noch etwas.

Auch der Vorwurf, Gebührensäcke zählten nicht zum Kerngeschäft der Post ist absurd. Natürlich verkamen die Postfilialen in den letzten Jahren zu Gemischtwarenläden. Aber es gibt einen Unterschied zu Handyabos, Hörgeräten und Lösli: Ein Güselsack muss nicht beworben werden. Abfall wird es immer geben. Letzen Endes ist der Sack-Entscheid der Post einfach auch eine weitere Meldung in der Negativspirale beim Thema Poststellen. Jeder Rappen Umsatz welcher der Filiale entgeht, macht es der Post einfacher die Verkaufsstelle zu schliessen. Dass das kein Märchen ist zeigt jedes Mal die Argumentation der Post, wenn sie in einem Dorf zur Filialschliessung ansetzt. Die Schlagworte sind dann: Zu tiefe Frequenzen, zu wenig Umsatz. Der Güselsack ist ein Puzzleteil auf dem Weg zum Kahlschlag.

Erstellt: 27.07.2018, 17:01 Uhr

Philipp Kleiser, stv. Chefredaktor Zürichsee-Zeitung.

Conradin Knabenhans, Mitglied Redaktionsleitung ZSZ.

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