Pro und Kontra

Auch künftig keine Böller und Raketen am 1. August?

Wegen des Feuerwerksverbotes war der Nationalfeiertag in diesem Jahr ruhig. Soll das künftig immer so sein?

Bild: Keystone

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PRO

Ramona Nock, Redaktorin Zürichsee-Zeitung.

So still wie dieses Jahr war es am 1. August schon lange nicht mehr. Keine Böller, keine Heuler und Raketen, die mal mehr, mal weniger kontrolliert in den Himmel sausten, nicht einmal Knallfrösche waren am Nationalfeiertag zu hören. Es war einfach nur ein ruhiger, beschaulicher Sommerabend. Herrlich.

Die Trockenheit hat Kantone und Gemeinden landesweit zu einem Feuer- und Feuerwerkverbot gezwungen. Der 727. Geburtstag der Schweiz musste für einmal ohne leuchtende Verzierungen am Nachthimmel auskommen. Verkäufer von Feuerwerk monierten über Einbussen, Kinder zeigten sich enttäuscht – doch, sind wir ehrlich: Gefeiert wurde trotzdem. Anstossen auf den Geburtstag unserer «Terra Mater», das geht auch ohne Getöse, ohne den Schwefelgeruch, der noch in der Luft hängt, lange nachdem die letzte Rakete gezündet wurde.

Die Ausnahmesituation dieses Jahr sollte Anlass dazu geben, das Abfeuern von Pyrotechnik zu hinterfragen. Gründe, die gegen Raketen und Co. sprechen, gibt es genug. Natur und Tiere etwa würden es uns danken. Für Vierbeiner mit ihrem empfindlichen Gehör ist die Knallerei purer Stress. Das gilt notabene auch für so manchen Zweibeiner. Nicht alle mögen es, wenn es rundherum plötzlich «chlöpft und tätscht», als befände man sich mitten im Krieg.

Und was die Pyro-Ware für die Umwelt bedeutet, um das abzuschätzen muss man kein Experte sein. Bei einem Feuerwerk steigen die Schadstoffwerte in der Luft explosionsartig an. Das haben Messungen verdeutlicht: Spitzenwerte waren, verglichen mit anderen Jahren, diesmal nicht einmal halb so hoch.

Danke sagen würden wohl auch die Notfallärzte, die sich um Verletzte kümmern, wenn Betrunkene achtlos mit Feuerwerk hantieren. In diesem Sinne plädiere ich für einen knallfreien 1. August: eine Grillfeier, ein gemütlicher Brunch. Brötchen statt Böller. Happy Birthday, Schweiz!

KONTRA

Nina Graf, Redaktorin Zürichsee-Zeitung.

Die Stimmung am letzten Mittwoch war nicht dieselbe, wie sonst am 1. August. Da konnte der Redner noch so bewegend sprechen und die Gesellschaft noch so fröhlich sein. Immer wieder wandte sich mein Blick zum Himmel. Doch dort gab nichts zu sehen. Keine glitzernden Sterne, keine goldenen Palmen, keine violetten Ringe. Es war, als hätte jemand die Kerzen auf dem Geburtstagskuchen der Schweiz vergessen. Immer wieder, nicht nur dieses Jahr, wo die Feuerwerke wegen der Trockenheit abgesagt wurde, werden Stimmen laut, die ein allgemeines Verbot fordern. «Unsere Steuergelder werden in die Luft gepulvert», «Es macht nur Krach», «Das bringt ja nichts, nach 15 Minuten ist es eh vorbei.» Doch Feuerwerk ist mehr als Rauch und Lärm. Es ist ein Schauspiel, das Gefühle an früher weckt und den Nationalfeiertag von jedem anderen x-beliebigen Tag im Jahr unterscheidet.

In meiner Kindheit wartete ich bereits im Juli aufgeregt auf den Nationalfeiertag. Denn dann durften wir Kinder je ein Feuerwerk auswählen. Am Tag selber konnte ich es kaum erwarten, dass es endlich eindunkelt. Dann war es soweit, vorsichtig wurde die Lunte gezündet. Zuerst ein Zischen, dann ein Knall und über uns die schönsten Farben. Ganz und gar keine gewöhnliche Nacht.

Doch Feuerwerke begeistern nicht nur kleine Kinder. An 1. Augustfeiern bringen sie die ganze Gemeinde zusammen. Die Nachbarsfamilie, das ehemalige Schulgspändli, den Gemeindepräsidenten. Alle stehen beisammen und beobachten das Schauspiel am Himmel. Für diese Viertelstunde Farbenspektakel nehme ich auch gerne einmal im Jahr etwas Lärm in Kauf. Unsere Steuern werden das ganze Jahr hindurch für sinnvolle Dinge ausgegeben. Einmal darf sich die Schweiz auch etwas Schönes gönnen. Und mehr erwarte ich von einem Feuerwerk auch nicht. Denn schon Antoine de Saint-Exupéry soll gesagt haben: «Es ist von Nutzen, weil es schön ist.»

Erstellt: 03.08.2018, 16:49 Uhr

Ramona Nock, Redaktorin Zürichsee-Zeitung.

Nina Graf, Redaktorin Zürichsee-Zeitung

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