Pro & Kontra

Sollen die Bahnhöfe rauchfrei sein?

Seit Mitte August sind die SBB-Bahnhöfe am Zürichsee rauchfrei. Geraucht werden darf nur noch in signalisierten Bereichen. Diese Umstellung finden nicht alle sinnvoll.

Rauchen verboten: Am Mittwoch wurde der Bahnhof Küsnacht als einer der ersten in der Zürichsee-Region rauchfrei.

Rauchen verboten: Am Mittwoch wurde der Bahnhof Küsnacht als einer der ersten in der Zürichsee-Region rauchfrei. Bild: Michael Trost

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Ja

Ich freue mich auf den Tag, an dem am Bahnhof nicht mehr geraucht werden darf. Dann weiss ich, dass sich die Raucher in dem ihnen zugewiesenen Bereich um einen Aschenbecher gruppieren. Und ich weiss endlich, wo ich ungestört der Einfahrt des Zuges entgegensehen kann.

Bisher kommt mir das Warten auf die S-Bahn wie ein Spiessrutenlauf vor. Distanziere ich mich von einem Qualmer und suche ein rauchfreies Plätzchen im Menschengewusel, greift bestimmt meine neue Perron-Nachbarin in ihre Handtasche, zieht ein Päckchen hervor und zündet sich einen Glimmstengel an. Wo ich auch hinstehe, es weht mir mit Sicherheit eine Rauchschwade ins Gesicht, der Gestank schnürt mir den Atem ab und setzt sich in Haaren und Kleidern fest.

Die neue Lösung mit den Raucherbereichen finde ich ideal. Sie ist ein gut schweizerischer Kompromiss. Wer rauchen will, kann ohne schlechtes Gewissen gegenüber anderen Reisenden seine Zigarette geniessen. Und die Nichtraucher können frische Luft atmen. In anderen Ländern sind die Bahnhöfe schon längst rauchfrei. Es ist mehr als überfällig, dass die Schweiz nachzieht.

Das Rauchverbot ist auch sinnvoll im Kampf gegen Littering. Mir ist unverständlich, wieso die Bahnhofs-Raucher die Kippen aufs Gleis werfen statt im Aschenbecher auszudrücken. Das Reinigungspersonal muss jeden einzelnen Stummel mühsam aus dem Schotter klauben. Auf der Raucherinsel können die Raucherinnen und Raucher nun beweisen, dass sie eigentlich gar keine rücksichtslosen Mitmenschen sind.

Nein

An den Bahnhöfen der SBB herrscht bald Rauchverbot. Nur um spezielle Raucherstelen ist es künftig noch erlaubt, dem Nikotin – in Form von klassischen Glimmstengeln oder E-Zigaretten – zu frönen. Damit will die SBB ihr Littering-Problem in den Griff bekommen. Denn jedes Jahr landen hunderte Tonnen Zigarettenstummel auf den Gleisen.

Mit diesem Verbot habe ich aus verschiedenen Gründen Mühe. Interessanterweise ist die Tatsache, dass ich selbst gelegentlich rauche, keiner davon. In geschlossenen Räumen schätze ich ein Rauchverbot, unter freiem Himmel ist es indes absurd.

Die Argumentation der SBB, man wolle damit den Abfall eindämmen, empfinde ich bestenfalls als heuchlerisch. Ginge es tatsächlich darum, müssten Verstösse gegen das Verbot Konsequenzen mit sich bringen — ohne wird sich kaum jemand daran halten, und weil bestehende Aschenbecher abgebaut werden, dürfte die Zahl der Kippen auf den Gleisen nicht abnehmen.

Was ich zudem noch nie beobachtet habe, ist jemand, der seine E-Zigarette auf die Gleise warf, weil die Batterie leer war oder der Zug kam. Warum also soll auch die E-Zigarette am Bahnhof in der Tasche bleiben?

Mehr Aschenbecher sowie eine Aufklärungskampagne zum Thema Abfall wären vermutlich ein effizienterer Weg im Kampf gegen Littering. So ist es einfach ein eigenartiger Versuch der SBB sich bei Nichtrauchern anzubiedern und gleichzeitig die Raucher nicht ganz zu vergraulen, weil es ja keine Bussen gibt.

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Erstellt: 16.08.2019, 12:10 Uhr

Rauchverbot

Zeitplan für die Umstellung

Die SBB richten seit Juni auf den Bahnhöfen Raucherzonen ein. Bis Ende Oktober sollen 1000 Bahnhöfe mit Raucherbereichen ausgerüstet werden. Bis Mitte 2020 ist die Umgestaltung aller Schweizer Bahnhöfe abgeschlossen. In den Bezirken Meilen und Horgen verfolgen die SBB folgenden Zeitplan:

  • Mittwoch, 14. August: Erlenbach, Küsnacht Goldbach, Küsnacht, Zollikon

  • Donnerstag, 15. August: Herrliberg-Feldmeilen, Meilen, Uetikon, Winkel

  • Freitag, 16. August: Feldbach, Männedorf, Stäfa, Uerikon

  • Dienstag, 20. August: Au, Richterswil, Wädenswil

  • Donnerstag, 22. August: Horgen, Horgen Oberdorf, Oberrieden, Oberrieden Dorf

  • Freitag, 23. August: Kilchberg, Rüschlikon, Thalwil

Weitere wichtige Bahnhöfe für die Pendler vom linken und rechten Ufer:
  • Raucherzonen bereits eingerichtet: Zürich HB, Zürich Stadelhofen, Zürich Tiefenbrunnen

  • Sonntag, 18. August: Pfäffikon, Rapperswil

  • Freitag, 23. August: Zürich Wollishofen

  • Montag, 26. August: Zürich Enge, Zürich Wiedikon

Die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) wird die Bahnhöfe ebenfalls rauchfrei gestalten. Die Ausgestaltung und der Zeitpunkt sind noch offen. Die SZU tauscht sich noch mit anderen Bahnunternehmen und insbesondere den SBB aus. Die Bahnhöfe der Südostbahn im Bezirk Horgen sind bereits rauchfrei. Ebenfalls rauchfrei sind die Haltestellen der Forchbahn, die sich in einem Tunnel befinden. Alle anderen werden rauchfrei, wenn sie behindertengerecht umgebaut werden. (dh)

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