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Wenn der Karnivore eine Frau ist

Eine Kolumne von Philippa Schmidt.

Der typische Vegetarier scheint für viele Menschen eine Vegetarierin zu sein. Während Frauen sich im äussersten Fall ein paar Pouletbruststreifen im Salat gönnen, ist das blutige Steak ein Sinnbild der Männlichkeit – so zumindest das Klischee.

Wie sehr diese Wahrnehmung in unseren Köpfen verankert ist, durfte ich kürzlich beim Mittagessen mit Kollegen erleben. Mit fünf männlichen Redaktoren ging ich in ein Wädenswiler Restaurant zum Essen. Während sich die Männer mit einer Ausnahme alle für eine mit Bulgur gefüllte Peperoni entschieden, wählte ich den Hackbraten. Als sich der Kellner mit der ersten Runde Peperoni dem Tisch näherte, steuerte er zielsicher auf mich zu. Dass die einzige Frau am Tisch das vegetarische Gericht bestellt haben muss, schien für ihn sonnenklar zu sein. Als der Kollege neben mir auf die Frage, wer denn die Peperoni habe, zustimmend nickte, breitete sich denn auch Irritation auf dem Gesicht des Kellners aus.

Bei seiner Kollegin mit der nächsten Fuhre vegetarischer Speisen das gleiche Spiel: Erst meine Aussage, dass ich den Hackbraten bestellt hätte, brachte sie davon ab, mir das vegetarische Gericht aufzudrängen. Während wir das Essen genossen, konnte ich mich übrigens nicht des Eindrucks erwehren, dass der eine oder andere Kollege verstohlen auf den Hackbraten schielte.

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