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Wenigstens hat der Hund gegrüsst

Eine Kolumne von Christian Dietz-Saluz.

Am Zürichsee sagt man auf der Strasse noch «Grüezi». Allerdings verflüchtigt sich dieser dörflich-heimelige Brauch zusehends. Das muss man akzeptieren. Resigniert habe ich deshalb aber nicht. Ich grüsse weiterhin, wie es Adolph Freiherr Knigge gelehrt hat: Mann grüsst Frau, Jung grüsst Alt, Unterstellter grüsst Vorgesetzten. So einfach ist das.

Als bereits ziemlich angegrauter Herr komme ich also schon oft in den Genuss, zuerst ein «Grüezi», «Guete Morge» oder «Gueten Abig» zu hören, um dies dann zu erwidern. Falls der «Grüezi-Ball» bei mir liegt, suche ich den Blickkontakt. Guckt die Person aber demonstrativ zu Boden, unterlasse ich den Gruss. Man will sich ja nicht aufdrängen. Ebenso zwinge ich Menschen nicht, ihr Gespräch zu unterbrechen, indem ich sie im Vorbeigehen grüsse. Da genügt oft ein Zunicken und Lächeln. Auch wer mit Handy am Ohr entgegenkommt, bleibt von mir ungestört.

Ärgerlich ist es, wenn eine zu grüssende Person mich zwar anschaut, aber meinen Gruss stumm und regungslos verhallen lässt. Dann kann ich mir ein hörbares «Muuuuh» nicht verkneifen. Immerhin dient meine zugegebenermassen freche Replik, mir die Laune gleich wieder zu verbessern.

Kürzlich habe ich die tierische Reaktion sogar situativ schnippisch angepasst, sehr zu meinem Triumphgefühl: Eine Frau mit Hund sah mich beim Vorbeigehen an, ich grüsste freundlich – und nichts kam zurück. Nur der Köter kläffte mir nach. Worauf ich mich umdrehte und freudig nachrief: «Immerhin hat ihr Hund zurückgegrüsst!»

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