Dorfgeflüster

Weich, aber schön

Eine Kolumne von Daniela Haag.

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«Wie ist die Loipe?», frage ich einen sportlichen Herrn. Er klickt gerade seine Langlaufschuhe aus der Bindung. Ich bin neugierig, was die Loipe in Schönenberg hergibt, die letzte Woche frisch präpariert wurde. Der sportliche Herr hebt die dünnen Latten hoch. «Weich ist der Schnee, aber es ist trotzdem schön», antwortet er. Schweissperlen glänzen auf seiner Stirn, auf den Lippen liegt ein zufriedenes Lächeln.

Seine Worte ermunterten mich, die Runde über den Golfplatz in Angriff zu nehmen. Auf dem ersten Kilometer geniesse ich die Landschaft. Mein Blick schweift über die weisse Ebene, bleibt an einem malerischen Bauernhaus hängen und gleitet weiter zum Horizont mit den Drumlin-Hügeln, auf denen je eine Linde thront. Doch bereits nach einem weiteren Kilometer beginne ich mich innerlich dagegen zu wehren, dass mir Gedanken an die Anstrengung die Freude verderben. Ich komme nur mühsam vorwärts. Sogar abwärts muss ich mit den Stöcken angeben, um nicht stehen zu bleiben.

Nach einem weiteren Kilometer knicke ich doch ein und pausiere. Beim Blick zurück staune ich über die tiefen Spuren, welche die Ski in die Loipe zeichnen. Ich hole tief Luft und fahre weiter. Mich spornt an, dass mich noch niemand überholt hat. Die Vorstellung, dass die Sportskanonen, die sonst dynamisch an mir vorbeigleiten, entweder nach Einsiedeln und Studen weitergefahren oder früher aufgestanden sind als ich, gefällt mir. Die Loipe, ja die ganze märchenhafte Moorlandschaft im tiefen Winterschlaf gehören jetzt mir. So aufgebaut, komme ich schneller als erwartet zum Loipeneinstieg zurück. Noch immer ist keine Menschenseele in Sicht. Dabei möchte ich so gerne weitergeben: «Weich ist der Schnee, aber es ist trotzdem wunderbar.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.02.2019, 10:32 Uhr

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