Pro & Kontra

Valentinstag: Marketing-Gag oder schöne Tradition?

Der Valentinstag zelebriert Herz und meint Kommerz, findet Redaktor Christian Dietz – Redaktorin Philippa Schmidt hingegen sieht den 14. Februar als eine gute Gelegenheit die Liebe zu feiern.

Merketing-Gag oder nicht – Fakt ist: Der 14. Februar ist für die Floristen und Blumenverkäufer einer der wichtigsten Tage im Kalender.

Merketing-Gag oder nicht – Fakt ist: Der 14. Februar ist für die Floristen und Blumenverkäufer einer der wichtigsten Tage im Kalender. Bild: Symbolbild/Keystone

PRO

Die Liebe verdient es, gefeiert zu werden

Der Valentinstag sei ein geschickter Marketing-Gag der Blumenindustrie, lautet das Urteil der Gegner dieses Tages der Liebenden. Mag sein, dass der Kauf von Schoggiherzchen, Blumensträussen und Parfüms am 14. Februar vor allem der Wirtschaft dient. Doch ganz abseits von jeglichen kommerziellen Hintergedanken verdient es die Liebe, gefeiert zu werden. Eigentlich spricht auch nichts dagegen, dass wir den Gedanken, unserem Liebsten etwas Gutes zu tun, breiter fassen und Freunden und Familie wieder einmal zeigen, was sie uns bedeuten. Ein Brauch, der sich in einigen Ländern wie etwa Finnland eingebürgert hat und den Vorteil birgt, dass auch Singles nicht ausgeschlossen werden.

Natürlich sollte man Liebe und auch Freundschaft jeden Tag zelebrieren, aber seien wir ehrlich: Wie oft hindert uns die alltägliche Hektik und Routine daran, dem Partner die Zeit und Zuneigung zu schenken, die er oder sie verdient? Da ist ein Tag, der ganz den Liebenden gewidmet ist, der einen durchatmen und seinen Fokus auf zwischenmenschliche Gefühle legen lässt, eine schöne Sache.

Unbeachtet bleibt zudem oft, dass der Valentinstag keine neuzeitliche Erfindung ist, sondern eine lange Tradition hat. So hat bereits Papst Gelasius I. den Valentinstag 469 nach Christus eingeführt. Neues Feuer erhielt die Idee im spätmittelalterlichen England mit dem Gedicht «Parlament der Vögel» von Geoffrey Chaucer. Darin versammeln sich alle Vögel um die Göttin der Natur, damit ein jeder einen Partner finde.

Zudem muss der Valentinstag nicht im Konsumrausch enden: Warum nicht wieder einmal einen Liebesbrief schreiben? Und wenn es denn schon Blumen sein müssen, sollten es wenigstens Fair-Trade-Pflanzen sein. Liebe zeigt sich auch darin, dass man an diesem Tag an die Menschen denkt, die in Entwicklungsländern unter unmenschlichen Bedingungen für die Blumenindustrie arbeiten müssen. (Philippa Schmidt)

KONTRA

Ein Datum darf nicht zur Liebe verpflichten

Auf Herz reimt sich der ­Kommerz perfekt. Schnulzen­sänger wählen lieber den Schmerz. Mit gutem Grund, denn die Kombination von Gefühl und Konsum entlarvt die schnöde Absicht: Berechnung. Womit ich schon beim Valentins­tag bin. Er zelebriert Herz und meint Kommerz.

Der 14. Februar wird vom Marketing geschickt genutzt. Er soll zwischen Weihnachten und Ostern ein Zeichen zum Schenken setzen. Dazu lässt sich der einst vom Papst vor über 1500 Jahren erkorene Tag der christlichen Liebe gut verwenden. Zumindest ist er besser vermarktbar als andere denkwürdige Daten in diesem Monat wie der «Europäische Tag des Notrufs 112» am 11. Februar, der «Ändere deinen Namen»-Tag am 13., ganz zu schweigen vom «Tag des Regenwurms» (15.), «Hast du gepupst?»-Tag (5.) oder «Tag der Schwertschlucker» (23.).

Ich hätte nichts gegen den Valentinstag, wenn er mich nicht unter Druck setzte, ausgerechnet an diesem Tag ­etwas unter dem Deckmantel der Liebe schenken zu müssen. Es sähe doch aus, als ob ich einen äusseren Anlass benötigte, um meine Liebe zu beweisen. Wäre das der Fall, hätte ich versagt – an den übrigen 364 Tagen des Jahres. Liebe aber ist unterminierbar, unkontrollierbar. Sie ist eine chaotische Gefühlswallung. So muss es sein, will sie natürlich gedeihen. Liebe auf Kommando wirkt auf mich wie das Gegenteil von dem, wofür sie steht: eine dauernde Zuneigung, unabhängig von Geschenken.

Übrigens ist morgen Tulpensonntag, dar­auf folgt der Rosenmontag. Am Valentinstag teile ich Disteln aus – an jene, die mich moralisch verpflichten wollen, meine Liebe zu bezeugen. Mit Blumen, Süssigkeiten, Schmuckherzchen oder sonst etwas, das nur einen Gegenwert hat: Geld. Dieses kommt aber aus dem Portemonnaie und nicht aus dem In­ners­ten. Das ist zu billig für wahre Liebe. (Christian Dietz-Saluz) (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.02.2018, 12:23 Uhr

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Pro

Philippa Schmidt, stv. Redaktionsleiterin Meilen

Kontra

Christian Dietz-Saluz, Redaktor

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