Dorfgeflüster

Strassen führen zum Nachbarn

Eine Kolumne von Christian Dietz-Saluz.

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Strassennamen sind manchmal gute Wegweiser. Die Zumikerstrasse dient in Küsnacht als namentliches Navigationsgerät. Folgerichtig heisst diese Strasse ab Gemeindegrenze in Zumikon Küsnachterstrasse. Solche Harmonie unter Nachbarn ist am See einzigartig. Zwar führt die Zollikerstrasse von Zürich nach Zollikon, umgekehrt gibt es aber keine Zürcherstrasse. Die ist sogar im ganzen Bezirk Meilen unbekannt. Am linken Ufer hingegen zeigen Rüschlikon, Oberrieden und Thalwil keine Berührungsängste mit der Stadt und haben eine Zürcherstrasse, obschon sie gar nicht an die Stadt grenzen – wohl Erinnerungen an eine Zeit, in der alle Wege nach Zürich führten.

Am See gibt es nirgendwo eine Erlenbachstrasse, sehr wohl aber in Einsiedeln und Herisau. Wie das? Überhaupt pflegt im Bezirk Meilen mit Ausnahme von Zumikon und Küsnacht keine Gemeinde eine Strassenbeziehung zum Nachbarn – mit einer Ausnahme. In Hombrechtikon weisen die Ausfallstrassen in fast allen Himmelsrichtungen auf die Nachbarn hin: Oetwilerstrasse, Ürikerstrasse, Feldbachstrasse, Grüningerstrasse. Umgekehrt erwidert kein Nachbar diese Ehre. Einzig der Bubiker Ortsteil Wolfhausen unterbricht seine Rütistrasse im Dorf mit der Hombrechtikerstrasse – ohne Gegengeschenk der Hombrechtiker.

Im Bezirk Horgen gibt es nach der Fusionswelle keine nachbarschaftlichen Strassen mehr. Darunter leidet Schönenberg, das eine Wädenswilerstrasse und eine Hüttnerstrasse besitzt. Bloss nützt das nichts mehr, wenn man mit Wädenswil und Hütten zusammengelegt ist. Auch die Hirzlerstrasse in Schönenberg hat ihren Reiz verloren, denn Hirzel hat nach der Fusion mit Horgen aufgehört als eigenständige Gemeinde zu existieren. So bleibt die einzige Ehrbezeugung an eine Gemeinde am linken Ufer die Wädenswilerstrasse in Stäfa – quasi als Gruss über den See.

Erstellt: 14.08.2019, 15:29 Uhr

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