Miniaturen des Alltags

Spotten über den Spot

Eine Kolumne von Christian Dietz-Saluz.

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Andere gehen dann auf die Toilette. Ich bleibe sitzen und geniesse beste Unterhaltung – bei den Werbespots im Fernsehen. Das Amusement besteht aus Spotten über die Spots.

Erfrischend blöd ist die seit Urzeiten bemühte Situation der zwei Freundinnen in der Küche. Die eine beklagt verzweifelt ihre Probleme mit Schmutz. Die andere weiss nicht nur strahlend Rat, sondern hat das passende Produkt schon in der Hand. Wer zum Kuckuck geht mit Kalkreiniger, Waschpulver oder Spülmittel zu Besuch? Und wer so riesige Küchen und Badezimmer besitzt, wie sie in diesen Spots gezeigt werden, putzt sicher nicht selber.

Nächstes Stereotyp: Knabbergebäck, Snacks, Süssigkeiten und alles, was offenbar zwischendurch gemampft werden muss. Wer immer Solches spontan in der Runde anbietet, verbreitet sofort Partystimmung. Alle lachen, die Familie ist happy. Ich lache mich krumm ob der simplen Werbewelt.

Apropos essen: Ist Ihnen schon aufgefallen, wie nostalgisch verklärt Tiefkühlkost und Fertiggerichte präsentiert werden? Je Massenware, desto Grosi-Rezept, lautet die Masche. Zur Kulisse am Holztisch gehören Mehlberge, in die Eidotter in Zeitlupe plumpsen, Büschel von frischen Kräutern, der Glaskrug mit Olivenöl darf nicht fehlen. Nur die vielen Zusatzstoffe, die auf der Verpackung mehr Platz einnehmen als die Lebensmittel, werden tunlichst ausgeblendet.

Ich liebe die Schoggi-Confiseure mit Nickelbrille und schneeweissem Kochgewand, die verliebt mit der braunen Masse im Kupferkessel spielen. Köstlich. Auch mit Werbespots kann man spielen: Wie oft kommen die Worte jetzt, neu, profitieren, entdecken und eintauchen vor? Sind es weniger als 50, war es ein schwacher Werbeblock. Dann hätte sich die Toilette doch gelohnt.

Erstellt: 12.11.2019, 09:24 Uhr

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