Schule

Raus aus der Schule!

Am Freitag ist der letzte Schultag. Die einen freuen sich auf Sommerferien, für andere geht die Schulzeit definitiv zu Ende. ZSZ-Redaktorinnen und -Redaktoren erinnern sich an prägende Erlebnisse aus ihrer eigenen Schulzeit.

Schüler sind auch nur Aliens

Bis heute fragt sich die ZSZ-Redaktorin, was der alten Dame inmitten der grünen Horde wohl durch den Kopf gegangen ist. Foto: Christian Beutler/NZZ

Der allerletzte Schultag steht für die Schüler von Maturaklassen ganz im Zeichen der Verkleidung. Da Vorausplanung nie die Stärke meiner Klasse war – so wurde etwa aus der geplanten Projektwoche in Berlin nur ein Wochenende in München –, musste zwangsläufig eine einfach umsetzbare Idee her: grüne Körperfarbe, weisse kurze Hosen und Shirts. Dumm nur, dass Petrus uns für den letzten Schultag eher kühles Wetter bescherte. Doch immerhin kein Regen.

Unser Klassenlehrer, ganz aus dem Häuschen vor Begeisterung ob seiner grünen Schar, verlegte die Doppelstunde Französisch kurzerhand ins Café Odeon am Zürcher Bellevue, wo wir innert kürzester Zeit zur Attraktion für asiatische Touristen wurden. Wir sorgten wohl für einige Verwunderung. Etwa bei einer alten Dame, die zufällig mit uns an einem Rotlicht wartete, unsicher, was sie von den vermeintlichen Marsmenschen neben sich halten sollte. Überrascht waren wir dann am Tag darauf, als die NZZ über eine «unheimliche Begegnung der dritten Art» berichtete– darunter ein Bild meiner Klasse in Grün an der roten Ampel zusammen mit der alten Dame in Blau.

Francesca Prader

Abschied per Mausklick

Fünf Jahre Studium gehen mit einem Mausklick zu Ende. Bild: Keystone

Der Abschluss ist ziemlich ernüchternd. Noch einmal öffne ich das Online-Studienportal der Universität Zürich, um meine letzte Seminararbeit hochzuladen. Es ist ein seltsam unpersönlicher Akt. Zwei Klicks und es ist getan. Fünf Jahre Studium kommen zu ihrem Ende. Ziemlich unspektakulär das Ganze. Da meine Kommilitonen noch länger studieren oder noch Arbeiten schreiben müssen, bin ich die Erste, die es definitiv geschafft hat. Aufs Feiern im Kollegenkreis muss ich also noch warten.

Ansonsten erfolgte der Abschied vom Studentenleben per Mausklick. Es gibt keine Gratulationen, kein Schulterklopfen. Dass ich die Uni verlasse, merkt ausser meinen Freunden wohl keiner. Als eine unter rund 60 Studierenden in meinem Studiengang bin ich eine unter vielen. Mitte September gäbe es zwar eine offizielle Abschlussfeier, diese werde ich jedoch aufgrund eines längeren Auslandaufenthaltes verpassen. Als ich das Gebäude verlasse, mache ich ein Foto des Eingangs, um mir wenigstens so ein Andenken an den wohl wichtigsten Tag meines bisherigen Lebens zu schaffen.

Natalie Wenger

Ferien in Grün statt am Stadtrand

Längst gebucht und erst noch kostenlos: Die Rekrutenschule. Bild: Keystone

Die letzten Wochen im Gymi verkamen zur Zerreissprobe. Die anstehenden Maturaprüfungen trugen aber nur einen kleinen Teil dazu bei. Weitaus stressiger war das Organisieren der Maturareise. Wohin? Welches Hotel? Wie viel bezahlen? Bei 23 Leuten – 20 Maturandinnen und drei Maturanden – sind bei einer solch wegweisenden Diskussion die Konflikte programmiert. Die Entscheidung fiel auf Ayia Napa. Für das gebuchte Hotel hatte sich, wie sich später herausstellte, auch die Parallelklasse des mathematischen Profils entschieden.

Nach Zypern flog aber nur ein Teil unserer Klasse. Dem anderen war die Reise zu teuer. Als Alternative mieteten die Sparer eine Villa mit Pool – im kaum als Schnäppchenparadies bekannten Nizza. Ich blieb vom Organisationsstress verschont, denn ich ging nicht mit auf Maturareise. Meine Ferien waren längst gebucht, organisiert und erst noch kostenlos. Es verschlug mich ins sonnige Brugg im Aargau, grüne Ferien. Der Militärdienst war zehn Monate später absolviert. Und ich fuhr nach Ayia Napa.

Colin Bätschmann

Eine ungewollte Vorzugsbehandlung

Schulhaus-Abwart hilft – Krücken braucht es nicht. Bild: Urs Jaudas

Das ist doch kein Beinbruch! Oh doch! Als ich mir als Siebenjähriger das Bein brach, brach für mich natürlich auch eine kleine Welt zusammen. Immerhin genoss ich dadurch in der Schule eine ungewollte Vorzugsbehandlung in den letzten Tagen vor den Ferien. Denn unser Klassenzimmer befand sich im zweiten Stock. Lift oder Treppenlift? Damals Fehlanzeige! Mit den Krücken hochlaufen? Das getraute ich mich anfänglich natürlich noch nicht.

Der Hauswart der Schule hatte Erbarmen mit mir. Und trug mich vor dem Unterricht die Treppe hoch und nach dem Unterricht wieder hinunter. Den Hauswart sehe ich übrigens noch heute ab und zu im Dorf. Die Begegnungen sind immer herzlich, und jedes Mal kommt mir die Episode aus meiner Kindheit wieder in den Sinn. Dem Schalk in seinen Augen entnehme ich, dass es ihm jeweils genauso geht.

Philipp Kleiser

Ferienstart mit rasendem Herzen

Wenn der Pianist für Glücksgefühle sorgt. Bild: Keystone

An den letzten Schultag nach meinem zweiten Jahr im Gymnasium kann ich mich noch besonders gut erinnern. Ich war 14 Jahre alt und komplett in den Pianisten unserer Schulband verschossen. Er war auch der Grund, weshalb ich mich zu Beginn des Schuljahres mit meinen knapp 157 Zentimetern für das Freifach Volleyball angemeldet hatte. Der Auserwählte selber hatte davon aber selbstverständlich nicht den Hauch einer Ahnung. Bis ich mir an jenem Freitag schliesslich ein Herz fasste.

Abends stand die alljährliche Musicnight und damit auch ein Auftritt unserer Band auf dem Programm. Als wir diesen gerade hinter uns gebracht hatten und voller Stolz von der Bühne liefen, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und bat meinen Schwarm kurzerhand um seine Handynummer. Die Millisekunde, in der ich auf seine Antwort wartete, fühlte sich an wie eine halbe Ewigkeit, und ich konnte meinen Herzschlag in jeder Faser meines Körpers spüren. Doch mein Mut wurde belohnt. Nach meinem Erfolg schwebte ich förmlich nach Hause. Und das Glücksgefühl dauerte auch noch an, als ich längst in Südfrankreich am Sandstrand lag.

Fabienne Sennhauser

Buttersäure-Attacke in der Baracke

Ein chemischer Schul-Streich im tiefsten Winter kann auch nach hinten losgehen. Bild: Keystone

Der letzte Schultag ist vor allem dann lustig, wenn es der eigene ist. Wenn ihn aber andere mit Streichen feiern, kann es unangenehm werden. Das ist mir während meiner Zeit an der Kantonsschule Küsnacht widerfahren, als die Maturanden ein Jahr über mir in den Klassenzimmern Buttersäure freisetzten. Für jene, die sich nicht mehr an den Chemieunterricht erinnern: Buttersäure (C4H8O2) ist der Trivialname für Butansäure. Deren Dämpfe reizen Augen und Atemwege.

Für unseren Lehrer war dies aber kein Grund, die Lektion ausfallen zu lassen. Vielleicht wollte er ein Exempel statuieren und uns mit auf den Weg geben, dass wir uns im kommenden Jahr einen besseren Maturastreich einfallen lassen sollten. Er wies uns an, die Fenster zu öffnen, und führte die Stunde unbeirrt durch. Es war Januar. Und obwohl wir die Heizkörper voll aufdrehten und wie die Irren fossile Brennstoffe zum offenen Fenster hinausheizten, wurde es in den Holzbaracken, in denen sich die Klassenzimmer befanden, sibirisch kalt. Aber blieb uns überhaupt eine Wahl? Nicht wirklich. Höchstens jene zwischen dem Erfrierungs- und dem Erstickungstod.

Michel Wenzler

Erstellt: 11.07.2019, 13:53 Uhr

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