Dorfgeflüster

Nie mehr frierende Pendler

Eine Kolumne von Conradin Knabenhans.

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Normalerweise ist es ganz einfach: Im Sommer wirken öffentliche Plätze freundlich und hell – die positive Sommerlaune scheint sich auf die Umgebung zu übertragen. Jetzt, beim Übergang vom Herbst zum Winter hingegen, scheint die Welt um uns herum grau und schwer.

Auch Bahnhöfe wirken zu dieser Jahreszeit nicht besonders einladend. Kommt dazu, dass auch die Einrichtung von Bahnhöfen wenig Charme versprüht. Hier ein Fahrplanständer, da ein Verpflegungsautomat und neben dem Rauchverbotsschild vielleicht noch ein Aschenbecher. Und so stehen halt auch die Bänke auf den Perrons an den Bahnhöfen trostlos herum, ganz so wie die wartenden Pendler in die neblige Welt blicken.

Eine verlassene Station in der kalten Nacht. Die SOB-Haltestelle Grüenfeld wartet im Winter mit einer Besonderheit auf. Bild: zvg

Doch es gibt tatsächlich eine Ausnahme. Ausgerechnet dort, wo die Züge nur auf Verlangen einen Stopp einlegen, wird die Tristesse des Winters durchbrochen. An der Südostbahn-Haltestelle Grüenfeld – zwischen Wädenswil und Samstagern – wird jedes Jahr just zum Beginn der kalten Jahreszeit die graue Sitzbank aufgerüstet. Sitzkissen in sanftem Grünton werden liebevoll auf die Bank drapiert und festgeschnürt. Ganz so wie es Herr und Frau Schweizer auch am Familienfest im eigenen Garten machen würden.

Die Kissen machen das Warten auf den Zug erträglich. Schutz vor Kälte und Wind bietet der offene Haltestellenunterstand nämlich kaum, da ist eine schützende Schicht auf der kalten Stahlbank gerade willkommen. Die Kissen zaubern aber auch ein Lächeln ins Gesicht, weil sie für mich irgendwie ein Symbol für die heile Welt sind. Die Sitzkissen bleiben unversehrt über den Winter liegen. Selbst potenzielle Vandalen dürften es sich bei ihrem nächtlichen Treiben wohl eher auf den Kissen bequem machen, als sie zu zerfetzen. Auch blinde Zerstörer frieren eben nicht gerne.

Erstellt: 07.11.2019, 09:24 Uhr

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