Miniaturen des Alltags

Kurz ist nicht immer schmerzlos

Eine Kolumne von Francesca Prader.

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Mobiltelefone sind eine wunderbare Sache. Dank ihnen kann man sich seinen Liebsten jederzeit mitteilen. Menschen aller Altersklassen machen rege Gebrauch von dieser Möglichkeit, auch dann, wenn sie sich im Bus oder Zug befinden. So hatte ich vor kurzem das «Vergnügen», auf dem Heimweg im Zug einer Dame gegenüberzusitzen, die in ein angeregtes Telefongespräch vertieft war. Worum es dabei ging, blieb mir verborgen, da ich ihre Sprache weder identifizieren noch verstehen konnte.

Gestik und Tonfall erweckten bei mir aber den Eindruck, dass sie sich furchtbar über etwas aufregte. Ihr Redeschwall wollte kein Ende nehmen, und so war ich froh, als die Dame ihre Destination erreichte und ausstieg. Ach, wie ich mich auf eine ruhige Weiterreise freute.

Doch Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude und so war es auch in diesem Fall: Auf dem Platz der telefonierenden Dame nahm ein junger Mann Platz, der sogleich sein Handy zückte und seinen «Bro» darüber informierte, dass Annabelle jemanden zur Party am Samstag mitbringen würde. Die Unterhaltung basierte auf einem kleinen Wortschatz und war gespickt mit jugendsprachlichen Klischees. Doch sie war auch kurz, was in mir wieder Hoffnung auf Ruhe aufkeimen liess.

Weit gefehlt: In den folgenden 15 Minuten telefonierte der junge Mann mit fünf weiteren «Bros», um sie über Annabelle und ihre Kollegin, die offenbar niemand mochte, zu informieren. Wehmütig dachte ich an die Dame von vorher zurück. Bei aller Lautstärke blieb mir doch zumindest die Illusion, dass es bei ihrem Telefonat um etwas Wichtiges gegangen war.

Erstellt: 29.07.2019, 17:27 Uhr

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