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Keine Nachricht ohne Bild

Eine Kolumne von Christian Dietz-Saluz.

Als selbstkritischer Journalist und Redaktor lächle ich gerne über gewisse Schwächen unseres Gewerbes. Zum Beispiel über völlig verpixelte Gesichter in Boulevardzeitungen, die nichts anderes sagen als, «wir wissen wie der Täter aussieht, aber wir dürfen ihn euch nicht zeigen». Sinnlos. In der gedruckten Zeitung haben nur wenige Artikel ein Foto. Auf den Redaktionen der Websites hingegen gilt die Vorschrift: Jede Nachricht hat ein Bild. Denn noch mehr als auf einer Papierseite muss in der bunten Unendlichkeit des Internets Aufmerksamkeit gewonnen werden. Das gelingt nur mit Bild.

Doch die Realität hinkt dem Zwang zur Aktualität oft nach. Der Brand einer Scheune liegt zwar als Polizeimeldung vor, aber es gibt kein Foto vom Feuer in der Nacht. Also muss sich die Onlineredaktion mit einem Trick behelfen und verwendet einen Kartenausschnitt der Gemeinde mit Sternchen am Brandort. Auch vom Arbeitsunfall auf einer Baustelle gibt es nur den Text. Da kommt Google Streetview zum Zug mit dem Vermerk: «Hier ereignete sich das Unglück.» Der Einbruch wird mit einem Archivfoto eines Polizeiautos (meist nur die weiss-leuchtrote Tür mit der Aufschrift «Polizei») bebildert.

Fotos im Journalismus sollen konkretisieren, die Fakten mit einem Bild beweisen. Aber die beschriebenen Beispiele verfehlen diese Funktion. Sie sind nicht mehr als Geografieunterricht, und «so sieht die Tür eines Polizeiwagens aus». Das erheitert mich, vor allem wenn Symbolbilder ohne Bezug zum Artikel ins Netz gestellt werden – etwa eine Hand am Bierglas, wenn es um alkoholisierte Autolenker geht.

Das ehrlichste Lachen ist doch das über sich selbst. Das gilt jetzt auch für Sie. Oder klicken Sie online nicht auch sofort auf das Bild mit der Polizeiautotür – oder auf das Bierglas?

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