Zum Hauptinhalt springen

Jahreszeiten

Eine Kolumne von Ursula Gut-Winterberger.

Wir haben Glück, dass wir den Wechsel der Jahreszeiten erleben dürfen. Nicht andauernd brennende Sonne, nicht monatelange kalt-blaue Tage, wie dies in grossen Teilen der Welt der Fall ist. Ein berühmter liberaler deutscher Nationalökonom, der 1933 vor dem Naziregime in Atatürks Türkei floh und an der Universität Istanbul lehrte, soll stöhnend an seine Freunde in Deutschland geschrieben haben: «Dieser ewig saublaue Himmel!»

Auch wenn sich bei uns die heissen Tage zulasten des Frühlings in den letzten Jahren ausgedehnt haben, können wir uns über Veränderungen in der Natur, dem Wechsel der Farben des Lichts, der Sonnen- und der Regentage immer noch freuen. Mit den Jahreszeiten wechseln auch die Farben der Blumen: Von den hellen, zarten Tönen im Frühling bis zu den satten gold-orange-roten Tönen im Herbst. Nicht immer bin ich ganz konsequent in der Beachtung des saisonalen und regionalen Angebotes, die Sehnsucht nach dem Wechsel wird gerade zu Beginn des neuen Jahres und im Frühling übermächtig. Des Weihnachtssterns, der mich im Dezember erfreut hat, werde ich in den ersten Tagen des Januars bald überdrüssig. Ich kann dem Tulpenstrauss aus Holland nicht widerstehen. Und alle Jahre kaufe ich die ersten Erdbeeren zu früh. Der Geschmack lässt zu wünschen übrig. Aber nach Monaten, die von Äpfel und Birnen dominiert waren, überkommt mich der Gluscht nach etwas anderem.

In der Literatur, vor allem in Gedichten, spielen die Jahreszeiten eine grosse Rolle. Aber auch in der Musik. Eine der berühmtesten Kompositionen ist das Violinkonzert «Die vier Jahreszeiten» von Antonio Vivaldi. Er beschreibt die Naturerscheinungen, die Stimmungen und das ländliche Leben in unnachahmlicher Art. Meine Lieblinge sind der 1. Satz des Frühlings und der 2. Satz des Winters. Viel weniger bekannt, aber auch sehr hörenswert ist der Klavierzyklus der «Jahreszeiten» von Peter Iljitsch Tschaikowsky, in der er die Natur und das russische Leben beschreibt. Mein Favorit da ist die Barcarolle für den Monat Juni. Wer die Musik Tschaikowskys liebt, dem bieten sich gerade in diesen Tagen wunderbare Konzerte des Tonhalle Orchesters unter seinem Dirigenten Paavo Järvi an.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch