Gastro

Steinbock mit österreichischem Charme

Ein Besuch im Restaurant Steinbock in Rapperswil-Jona.

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Dass in der heutigen Schweiz Steinböcke leben, ist nicht selbstverständlich. Weil ihren Hörnern Heilkräfte nachgesagt wurden, hat man die imposanten Tiere im 17. Jahrhundert beinahe ausgerottet. Einzig im italienischen Aostatal überlebten einige Exem­plare. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelangten ein paar von ihnen in die Schweiz – nicht ganz freiwillig und auf ziemlich verschlungenen Pfaden, wie mehrere Quellen berichten. Heute gibt es allein im Kanton Graubünden wieder 6000 Steinböcke.

Die Crew des Restaurants Steinbock an der Rapperswiler Seepromenade ist vor sieben Jahren nicht aus Italien an den Zürich­see gekommen, sondern aus Österreich. Gegenwärtig steht sie vor einer ungewissen Zukunft, denn das Haus soll verkauft werden. Der weiche Akzent der Serviceangestellten ist nicht zu überhören, und Küchenchef Thomas Bruckner hat auch auf der Speisekarte einiges an österreichischem Charme zu bieten. So starten wir mit einer kräftigen Rindsbrühe Styria, in der ein fabelhafter Leberknödel schwimmt (12.80 Fr.). Der Nüsslisalat (14.80 Fr.) vermag meine Kollegin hingegen nicht recht zu begeistern. Zu dick ist die angeblich hausgemachte Sauce, zu schnell erschlaffen die knackigen Vogerl (wie unsere östlichen Nachbarn die Nüssli-Blätter nennen). Und der knusprige Speck, auf den sie sich gefreut hat, wurde leider nur kurz in der Pfanne geschwenkt und ist dementsprechend ebenfalls ziemlich lampig. Der grüne Veltliner (7.40 Fr./dl) gefällt uns dafür ausgezeichnet.

Dem österreichischen Wein bleiben wir auch zum Hauptgang treu. Von den beiden Zweigelt auf der Karte empfiehlt uns die Kellnerin denjenigen mit der Bezeichnung «Unplugged», ohne uns erklärenzu können, was das bei einem Rotwein bedeu­ten mag. Wir finden, er ist seinen Preis wert (9.20 Fr./dl), ob mit oder ohne Verstärkung durch was auch immer. Meine offenen Ravioli mit grünen Spargeln und Morcheln (26.80 Fr.) sehen auf dem Teller wunderschön aus und schmecken auch so. Beim Stroganoff (41.80 Fr.) erstaunt­ uns zunächst die tiefrote Farbe der Sauce, die von einer tüchtigen Portion Paprikagewürz herrührt. Das Fleisch ist zart, die Paprika in Gemüseform findet meine Begleiterin etwas gar reichlich bemes­sen. So viel Nähe zu Ungarn hätte es für sie nicht sein müssen.

So richtig doppelmonarchisch schlemmen können wir beim Dessert, zu dem wir extra den dritten Mann in die Runde bitten, damit wir den grossen Portionen Meister werden. Wir Frauen sind eigentlich schon satt und deshalb froh um die Viertelstunde Pause, die für die Zubereitung der Süssspeisen laut Karte benötigt wird. Schon die Namen tönen wie kleine Gedichte: Sauerrahmschmarrn mit Marillenröster, Quarkbeutel mit Zwetschgenröster (14.80/12.80 Fr.). Betörend in beiden Fällen ist die Kombination von weichem und süssem Teig mit saurem, noch bissfestem Kompott. Das weibliche Duo am Tisch bevorzugt den Quarkbeutel,weil er ein bisserl leichter ist, der Mann in der Runde begeistert sich mehrfür den Schmarrn.

Mit dieser Geschlechteraufteilung wären­ wir bei Hofe glatt durchgegangen: Der legendäre Kaiserschmarrn soll ja seiner­ Majestät Franz Joseph I. auch besser gemundet haben als dessen linien­bewusster Gattin Elisabeth, bekannt als Sissi. Und dies, obwohl das Dessert angeblich zuerst für die Kaiserin kreiert worden war. Als sie es nicht essen mochte, soll Kaiser Franz Joseph seinem Koch zuge­rufen haben: «Na, so geb er ihn halt her, den Schmarrn!»

Wir sagen: «Jederzeit gern!»

Restaurant Steinbock, Marktgasse 25, 8604 Rapperswil-Jona. Telefon 055 210 12 58. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 11 bis 14.30 Uhr und 17 bis 23.30 Uhr, Sonntag und allgemeine Feiertage 11 bis 22 Uhr. (zsz.ch)

Erstellt: 28.05.2018, 13:31 Uhr

In der Gastro-Kolumne schreiben die Redaktorinnen und Redaktoren der ZSZ über ihre kulinarischen Erlebnisse rund um den See.

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