Gastro

Im Zeichen der Zwiebel

Im «Finifini» in Küsnacht (ehemals Restaurant Trauben).

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Finifini – Trattoria Italiana heisst das Restaurant zum Trauben in Küsnacht nun: Vor Kurzem haben neue Pächter das Traditionshaus übernommen. Wer die Gaststube betritt, der erblickt das altbekannte hölzerne Inventar und den stattlichen Kachelofen. Ein Blick in die Karte offenbart aber, das sich einiges getan hat. Thomas Kiefer und sein Team haben ein Angebot geschaffen, das italienische Traditionen mit innovativen Gerichten verbindet.

Wir entscheiden uns für die Zuppa del giorno, an diesem Tag eine Kürbissuppe, sowie La Cipolla fondente di Salvatore Tassa (10 und 17 Franken). Besonders auf letzteres sind wir gespannt. «Die geschmolzene Zwiebel» wird als Signature Dish von Salvatore Tassa gepriesen, es trägt also die unverkennbare Handschrift des italienischen Spitzenkochs, auf dessen Philosophie das Finifini basiert. Serviert wird eine oben geöffnete Zwiebel in Schale, umgeben einzig von einigen Spritzern Olivenöl. was sich beim ersten Bissen im Mund entfaltet, lässt sich wahrlich als Geschmacksexplosion bezeichnen. Der warme aromatische Zwiebelgeschmack kommt als samtene Crème daher. Wie zu erfahren ist, braucht es für diese Crème fünf Zwiebeln, welche nachdem sie fünf Stunden erhitzt wurden, zu Püree verarbeitet werden. Doch auch die Kürbissuppe ist äusserst empfehlenswert: Sie erinnert von der Konsistenz her fast eher an ein Püree als an eine Suppe und ist nicht so süsslich wie andere Kürbissuppen.

Italienische Tropfen dürfen zu solch einem Essen nicht fehlen: Der Luca Abrate – Tenuta Meridiana, Roero 21 Settembre aus dem Piemont erweist sich als kräftig, während der Fattoria Nicodemi, Montepulciano d’Abruzzo Le Murate schön fruchtig schmeckt (11.20 und 10 Franken pro dl). Zum Hauptgang wählen wir Tortelli ripieni di prosciutto e parmigiano alle panna sowie Bombette di vitello verdure (28 und 42 Franken). Ein Spritzer Balsamico, welcher der Kellner am Tisch über die Teigwaren verteilt, schafft im Zusammenspiel mit dem Rahm einen reizvollen Kontrast. «Es ist nicht gut», kommentiert mein Begleiter seine Hauptspeise, «es ist ausgezeichnet.»

Die Tortelli sind al dente und die Füllung aus Rohschinken und Parmesan erweist sich als schmackhaft. Meine Kalbsrouladen mit Gemüse kommen überraschend daher. Erwartet hatte ich wesentlich grössere längliche Fleischrollen. Serviert wird jedoch ein Pfännchen mit kleinen fast runden Rouladen, die von Speck ummantelt sind. Sie sind auf knackiges Gemüse gebettet: unter anderem Karotten, Blumenkohl, Broccoli und Kartoffeln, aber auch Birnenstücke. Die fast schon filigranen Roulädchen sind saftig und auf den Punkt gebraten. Im Inneren versteckt sich eine Füllung aus Brotkrumen und Petersilie. Spätestens jetzt wird klar, dass Kreativität in der Küche des neuen Traubens einen hohen Stellenwert geniesst.

Da steigt die Spannung aufs Dessert. Das Tiramisu Finifini (13 Franken) ist eine gute Wahl: Es wird aus Mascarpone-Schaum zubereitet und ist in der Folge schön luftig. Mein Gegenüber labt sich an einem Millefoglie alla chantilly di cioccolato (13 Franken). Das Millefeuille erinnert fast ein wenig an Berggipfel, die aus einer Gletscherlandschaft ragen, stecken die dünnen Teigstücke doch in der Creme aus weisser Schokolade. Eine Verführung für alle, die Süsses lieben. Das Finifini bietet ein echtes kulinarisches Erlebnis: Thomas Kiefer und Küchenchef Gianfranco Bruno erweisen sich als würdige Nachfolger von Remo Montagnolo, der zuvor den Trauben geführt hat.

Finifini - Trattoria Italiana Untere Wiltisgasse 20, 8700 Küsnacht. Öffnungszeiten: montags und samstags 18 bis 22 Uhr; von Dienstag bis Freitag: 11.30 bis 14 sowie 18 bis 22 Uhr. Ab Januar auch am Sonntag von 12 bis 16.30 Uhr geöffnet. Reservationen unter: 044 910 48 55 oder unter info@finifini.com. Mehr Infos: www.finifini.com

Erstellt: 17.12.2018, 15:01 Uhr

In der Gastro-Kolumne schreiben Redaktorinnen und Redaktoren der ZSZ über ihre kulinarischen Erlebnisse rund um den Zürichsee.

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