Gastro

Immer schön weiter essen und trinken

Ein Besuch im Paragraph 11 in der Rapperswiler Altstadt.

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Gibt es etwas Schöneres, als an einem nasskalten Abend in eine warme, gemütliche Gaststube zu treten? Uns kommt es an diesem grausigen Samstagabend im Januar jedenfalls vor, als öffne sich der Himmel. Wir betreten das Restaurant Paragraph 11 an der Rapperswiler Halsgasse und gleich wird uns warm. In der kleinen Gaststube sind Wände und Decke aus Holz, ebenso die schlichten Tische und Stühle. Das Rot des Bodens erinnert an ein knisterndes Kaminfeuer. Solcherart aufgewärmt, entscheiden wir uns zum Apéro für ein Bier und lassen den heissen Tee, der uns draussen so verlockend erschien, links liegen. Leider versäumt es die Serviceangestellte, uns auf die spezielle Bierkarte aufmerksam zu machen. Unser Grimbergen Double von der normalen Karte mit seinem leichten Honigaroma stellt uns aber vollends zufrieden (7.90 Fr./3 dl).

Nun haben wir etwas Zeit, das Lokal genauer zu betrachten. Das Restaurant Paragraph 11 ist seit 1889 eine Rapperswiler Institution. Der Name leitet sich ab vom Studentenkomment, einem alten Regelwerk, dessen elfter Paragraph lautet: «Es wird weiter getrunken.» Eigentlich heisst das 475 Jahre alte Haus «Zum roten Ochsen» und gehört seit 1977 der Ortsgemeinde. Viele Jahre kochte und wirtete die legendäre Rina Kundert hier; nachdem sie 2015 altershalber aufhörte, ging es mit der Kultbeiz eine Zeitlang nur noch bergab. Während eines Jahres blieb sie gar ganz geschlossen.

Nun soll mit dem jungen Geschäftsführer Inan Gedik neues Leben einkehren. Er hat das Altstadtlokal anfangs Jahr übernommen. Bei unserem Besuch erweist sich Gedik als charmanter Gastgeber, der hier ein Schwätzchen hält und dort ein paar Bekannte begrüsst. In der Küche steht derweil sein Vater, Mehmet Gedik, der auch den Frohsinn in Schmerikon führt. Die Karte bietet Traditionelles wie Cordon bleu oder Ghackets mit Hörnli. Die Preise sind moderat, das teuerste Gericht, ein Kalbs-Cordon-Bleu kostet 42 Franken.

Wir bestellen Schweinsleberli mit Rösti für sagenhafte 17 und ein Rinds-Stroganoff mit Bratkartoffeln für 32 Franken. Ein üppiger Vorspeisensalat (8 Fr.) und ein Tatar (22 Fr.) ergänzen unser Menu. Um dem Studentenkomment Genüge zu tun, bestellen wir aus der eher spärlichen Weinauswahl eine Flasche Zweigelt «Hoher Weg» für 54 Franken. Er stammt aus der niederösterreichischen Römerstadt Carnuntum und schmeckt magna cum laude. Entgegen allen Studentenregeln bleibt am Schluss dennoch ein Rest in der Flasche und wir werweissen, ob wir diesen nach Hause tragen sollen. Da taucht unverhofft ein Bekannter auf, setzt sich zu uns an den Tisch und nimmt uns die Entscheidung ab.

Mehmet Gedik kocht gutbürgerlich, ohne Schnickschnack. Das Tatar ist nicht zu Tode püriert sondern hat noch etwas Biss, und mein Begleiter, der das allmähliche Verschwinden der deftigen Genüsse nicht genug bedauern kann, lobt die Tatsache, dass die vielgeschmähte Schweinsleber überhaupt noch auf einer Speisekarte zu finden ist. Deren Sauce, nicht zu salzig, mundet ihm ausgezeichnet, während ich mein Rinds-Stroganoff gerne schärfer hätte. Die Rösti zu den Leberli ist knusprig, meine Bratkartoffeln sind mir ein wenig zu trocken. Aufs Dessert verzichten wir notgedrungen, weil die Karte noch im Aufbau ist, wie uns beschieden wird. Richtige Studenten würden jetzt natürlich noch ein paar Gläser Gin oder Whisky kippen – die entsprechende Karte ist gut bestückt. Da unsere Studentenzeit schon ein Weilchen zurückliegt, verzichten wir und hoffen, dass sämtliche Paragraphenreiter uns dies verzeihen mögen.

Paragraph 11 Halsgasse 31, 8640 Rapperswil-Jona. Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 24 Uhr, Freitag und Samstag 10 bis 1 Uhr, Sonntag 10 bis 22 Uhr. Montag geschlossen. Tel.: 055 211 12 17

Erstellt: 05.02.2018, 13:53 Uhr

In der Gastro-Kolumne schreiben die Redaktorinnen und Redaktoren der ZSZ über ihre kulinarischen Erlebnisse rund um den See.

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