Gastro

Für Karnivoren und Veganer gleichermassen

Ein Besuch im Landgasthof Sternen in Oetwil.

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T-Bone-Steaks, Entrecotes und Hohrücken-Steaks: Das Dry-aged Beef reift in einem Glasschrank gleich neben dem Eingang, wenn man den Sternen im Herzen von Oetwil betritt. Jedem Fleischliebhaber läuft beim Anblick der stattlichen Fleischstücke das Wasser im Mund zusammen. Freundlich werden wir von Wirtin Sabina Del Gaudio in die Gaststube geleitet. Und Stube ist wahrlich der richtige Ausdruck: Pastellige Töne, Sofas, die sich an ausgewählten Tischen tummeln, viel Holz, aber auch eine Fensterfront schaffen eine gemütliche und leichte Stimmung zugleich.

Wir werfen einen Blick in die Karte, und siehe da: Der Sternen ist nicht nur ein Paradies für Karnivoren, sondern bietet auch was für Vegetarier und sogar ein veganes Gericht. Zum Starten laben wir uns an einem Gruss aus der Küche. Es handelt sich dabei um einen klassischen Caprese: Der Büffelmozzarella und die Tomaten sind aromatisch und von hoher Qualität. Weiter geht es mit einem winterlichen Salat mit frittiertem Halloumi, Nüssen und Pilzen (13 Franken) und mit einem Pulposalat (18 Franken). Der Pulpo wird nicht klassisch-mediterran mit Essig und Öl, sondern mit einer Kartoffelcreme serviert. Die Creme ist eher ein rahmiger Schaum, bei dem ich vermeine, eine leicht zitronige Note herauszuschmecken. Den Gout nach Kartoffeln suche ich vergebens, aber er fehlt auch nicht. Auch wenn die Mischung ungewöhnlich ist, ist sie äusserst schmackhaft. Das Tüpfelchen auf dem i sind die würzigen Taggiasca-Oliven und die Artischockenherzen. Der Salat meines Gegenübers schmeckt fein, aber nicht überragend. Gut gelungen ist vor allem der Käse, der sowohl von der Konsistenz her als auch geschmacklich überzeugt.

Die Kellnerin ist zuvorkommend, doch bei meinen Fragen etwas überfordert. Das macht aber nichts, denn bei offenen Fragen gibt es Chefbehandlung – und zwar auf eine witzige, charmante Art. Davide Del Gaudio schaut etwa bei meiner Frage nach offenen Weinen persönlich vorbei. Ungewöhnlich und ein super Service: Ich darf alle vier offenen Weissweine degustieren. Obwohl es auch einen Wein aus Oetwil gibt, entscheide ich mich schliesslich für einen Terlaner, ein Cuvée aus Pinot blanc, Chardonnay und Sauvignon blanc aus dem Südtirol (1 dl zu 6.50 Franken). Die warme und fruchtige Note des Weins überzeugt. Vom Chef am Tisch präsentiert und aufgeschnitten werden auch die Steaks aus dem Glasschrank, wie wir beobachten können. Das Lokal ist äusserst gut besucht, es herrscht eine gelöste Stimmung.

Da meine Begleitung Vegetarierin ist, lässt sie sich als Hauptgang ein Kürbis-Curry (34 Franken) schmecken, während ich mich für die Maispoulardenbrust mit Safran-Blumenkohl-Püree und Birnen-Rotkraut (29.50 Franken) entschieden haben. Meine Hauptspeise ist fast zu schade zum Essen: Das Gelb des Pürees bildet einen schönen farblichen Kontrast zum Rotkohl. Zuoberst thront die Hühnerbrust. Das Blumenkohl-Safran-Püree ist so intensiv gelb, dass die Farbe der Palette eines Malers entsprungen zu sein scheint. Ein beherzter Probierbiss beruhigt: Das Aroma der Creme schmeckt überhaupt nicht künstlich, sondern sehr fein. Mein Highlight ist aber die Poularde. Gerade bei dieser kann man nämlich viel falsch machen. Das Fleisch ist jedoch innen zart und saftig, aussen leicht knusprig und vor allem ist der Vogel angenehm gewürzt. Beim Curry meiner Freundin bildet die süssliche Erdigkeit von Kürbis und Süsskartoffel einen reizvollen Kontrast zur Frische der Frühlingszwiebeln. Das Gericht kommt farblich allerdings eher monoton daher. Und eine inkludierte Reisbeilage wird schmerzlich vermisst.

Obwohl wir schon satt sind, können wir uns ein Dessert nicht verkneifen. Hier ist vor allem das Schokoladentörtchen (13 Franken) meines Gegenübers der Hit. Die Schokolade schmeckt wunderbar intensiv und schon nach wenigen Bissen stösst man auf den warmen, flüssigen Kern. Serviert wird das Gebäck eigentlich mit Vanillesauce, aber dem Wunsch nach Rahm wird sogleich entsprochen. Beim Cheesecake-Parfait (13 Franken) werden zwei Kugeln umrundet von Passionsfrucht- und Granatapfelklecksen sowie mit frischen Erdbeeren serviert. Es ist solide gemacht, reicht aber nicht an das Törtchen heran. Auffallend und äusserst positiv ist die Authentizität und Freundlichkeit der Gastgeber. Davide und Susanna Del Gaudio haben das Lokal erst vor kurzem übernommen. Man darf gespannt sein, wie sich der traditionelle Landgasthof unter ihrer Leitung entwickelt.

Landgasthof Sternen Esslingerstrasse 1, 8618 Oetwil. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 8.30 bis 14 sowie 17 bis 23 Uhr. Samstag und Sonntag 11 bis 14 sowie 17 bis 23 Uhr. Reservation unter 044 929 10 30. Weitere Informationen: www.landgasthofsternen.ch. (zsz.ch)

Erstellt: 20.03.2018, 08:57 Uhr

In der Gastro-Kolumne schreiben die Redaktorinnen und Redaktoren der ZSZ über ihre kulinarischen Erlebnisse rund um den See.

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