Leitartikel zum Jahreswechsel

Veränderungen verstehen – statt sich davor fürchten

Es ist so eine Sache Veränderungen. Stösst man sie selber an, sind sie prima. Werden sie einem aufgezwungen, ist das gar nicht gut. Oft ärgert man sich im Stillen, manchmal wehrt man sich auch laut und vehement.Am Zürichsee gab es in diesem Jahr einige Veränderungen, die grossen Widerstand hervorriefen. So gross, dass sie sogar zum nationalen Thema wurden. Zum Beispiel der Schiffszuschlag, den Passagiere auf den ZSG-Schiffen seit dieser Saison bezahlen müssen. Oder die Tatsache, dass die Kursschiffe beim An- und Ablegen nicht mehr kurz hornen dürfen, nachdem sich ein Anwohner beim Bundesamt für Verkehr beschwert hat. Bestens im Gedächtnis ist auch noch die Diskussion ums Glockengeläut. Eine Einzelperson wollte den nächtlichen Viertelstundenschlag der Reformierten Kirche in Wädenswil verboten sehen, Stadt und Kirchenpflege wehrten sich dagegen bis vor Bundesgericht. Und in Herrliberg haben zwei Anwohner ihre Lärmklage wegen des Fussballplatzes ebenfalls an die höchste Instanz weitergezogen. Ob der Spielbetrieb eingeschränkt werden muss, steht noch aus.

Fast schon ein Klassiker sind die Poststellen, die geschlossen oder in Agenturen umgewandelt wurden oder noch werden sollen. Überall wurde reklamiert, in diesem Jahr sorgte die Strategie der Post in Oetwil, Ürikon, Zollikerberg und Hirzel für Empörung. Nicht zu vergessen die Fusionen im Bezirk Horgen. Sowohl in Hirzel (Zusammenschluss mit Horgen) als auch in Schönenberg (Zusammenschluss mit Wädenswil und Hütten) bildeten sich Widerstandsnester. In Schönenberg musste deswegen der Zusammenschluss gar um ein Jahr verschoben werden.

Angst gegenüber Veränderungen ist bis zu einem gewissen Grad verständlich. Den meisten Menschen ist der Wunsch nach Bewährtem in die Wiege gelegt. Bei Neuem hingegen weiss man nie, ob man damit auch umgehen kann. Sind Emotionen im Spiel, wollen wir uns erst gar nicht auf eine Diskussion einlassen. Dabei haben wir gar keine andere Wahl: Alles um uns herum ändert sich. Wir müssen flexibel auf neue Lebens-, Arbeits-, Umwelt- oder Gesellschaftsbedingungen reagieren. Und Mut haben, Veränderungen eine Chance zu geben. Denn Stillstand ist Rückschritt.

Das trifft im nächsten Jahr auch auf die Politik zu - ganz speziell in den Gemeinden am Zürichsee. Es stehen Erneuerungswahlen an: alle Kommunen in den Bezirken Horgen und Meilen wählen ihre Behördenmitglieder neu. Zu Veränderungen wird es zwangsläufig kommen. Einige Exekutivmitglieder treten nicht mehr an, andere wollen ihren Platz einnehmen. In vielen Gemeinden zeichnen sich Kampfwahlen ab. In Rüschlikon wird gar der langjährige Gemeindepräsident in einer Kampfwahl herausgefordert.

Die Weichen werden neu gestellt, es wird Veränderungen geben. Es lohnt sich, sich mit den Kandidatinnen und Kandidaten auseinanderzusetzen, mit ihren Plänen und Zielen - und anschliessend abzustimmen. Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben die Möglichkeit, sich mit ihrer Stimme aktiv einzubringen und auf diese Weise Veränderungen zu steuern.

Das betrifft nicht nur die Erneuerungswahlen. In vielen Gemeinden werden grosse Pläne gewälzt, über welche die Bevölkerung mitreden kann - zum Beispiel in Workshops zur Zukunft des Chemieareals in Uetikon oder zur Gemeindeentwicklung in Männedorf. Auch hier können Sie Veränderungen aktiv anstossen, sich mit Themen auseinandersetzen. Wer sich mit Pro und Kontra, mit Argumenten auseinandersetzt, kann Veränderungen besser verstehen - und muss sich davor weniger fürchten.

Die «ZSZ» wird Sie auch im kommenden Jahr dabei unterstützen, in dem wir die Ereignisse darstellen, kommentieren und einordnen. Wir danken Ihnen für Ihre Treue und wünschen Ihnen einen guten Start ins neue Jahr. (Philipp Kleiser)

Erstellt: 29.12.2017, 14:18 Uhr

Philipp Kleiser, stellvertretender Chefredaktor

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