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Flashback mit Ballon am Fuss

Auf dem Spielfeld zurück in die Kindheit – eine Kolumne von Martin Steinegger.

Es gibt Situationen, in denen man als Erwachsener urplötzlich in die eigene Kindheit zurückversetzt wird. Flashback nennt sich dieses psychologische Phänomen. Auslöser sind meistens banale Dinge: ein Geschmack im Mund, ein Geräusch, eine spezielle Tätigkeit.

Diesen Herbst erlebte ich, wie stark solche Flashbacks sein können. Mit meiner 6-jährigen Tochter besuchte ich das Kinderfest in Männedorf. Organisiert wird dieses Fest von Jugendorganisationen und Kirchen. Kinder im Unterstufenalter können sich dabei in Bewegungs- und Geschicklichkeits-Parcours auf dem Areal des Schulhauses Hasenacker austoben. Da meine Tochter äusserst begabt ist im Herumtoben, war es sofort klar, dass wir an diesem Event teilnehmen.

Mein Flashback stellte sich beim Ballon-an-der-Schnur-Spiel ein. Wer das nicht kennt: Man bindet sich einen Ballon mit einer Schnur um die Fessel. Auf dem Spielfeld gilt es dann, so schnell wie möglich die Ballone der anderen Mitspieler zu zerstampfen– und dabei den eigenen Ballon zu verteidigen. Kaum stand ich auf dem Feld, stellten sich bei mir die Erinnerungen ein: Ich sah mich selber im Kindergarten bei diesem Spiel.

Ich erinnerte mich daran, dass es stets Streit gab, weil manche Schlaumeier die Schnur so eng ums Bein banden, dass der Ballon kaum zu erwischen war. Und ich erinnerte mich an das tolle Gefühl, wenn ich als Sieger vom Spielfeld marschierte.

Von einem lauten Knall wurde ich abrupt aus meiner Gedankenwelt gerissen. Ich blickte zu Boden und sah, dass mein Ballon in tausend Fetzen lag. Neben mir grinste vergnügt meine kleine Tochter – die ihren zerstreuten Vater damit aus dem Spiel genommen hatte.

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