Zum Hauptinhalt springen

Entsolidarisierung

Eine Kolumne von Berthold Haerter Pfarrer, Oberrieden.

In meiner Lehr- und Arbeitszeit in Ostdeutschland war ich automatisch Mitglied der Gewerkschaft. Neben dem Feld für die monatliche Mitgliedsmarke war im Mitgliedsbuch jeweils ein Feld für die sogenannte «Solidaritätsmarke». Selbstverständlich bezahlte man diese.

In den letzten Wochen wurde das Thema Kirchenmitgliedschaft in den Medien diskutiert. Man kam zu verschiedenen Ergebnissen. Grosses Thema war und ist die Solidarisierung mit den Angeboten und sozialen Leistungen der Landeskirchen.

Zum Beispiel: Möchte ich, dass eine Kirchgemeinde wöchentlich einen kostengünstigen Mittagstisch anbietet, für den fast alle freiwillig arbeiten? Kirchgemeinden hingegen müssen sich fragen, ob sie Kirchen und Räume kostengünstig beziehungsweise für Vereine und Gruppen sogar gratis zur Verfügung stellen können, wenn immer mehr Vereinsmitglieder oder auch Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher gar nicht mehr den Erhalt der Räumlichkeiten durch ihre Kirchenmitgliedschaft mitfinanzieren?

Manchmal kommt mir der Gedanke, ob es nicht Sinn machen würde, einige Kirchen ganz zu schliessen und sie aktiven Mitgliedern anderer Religionsgemeinschaften zu übergeben.

Die Landeskirchen müssen sparen, wenn immer weniger Bürgerinnen und Bürger Interesse an ihren öffentlichen, sinnstiftenden, individuellen wie solidarischen Dienstleistungen zeigen. Wenn ich mich von ihnen entsolidarisiere, also das helfende, unterstützende, kooperative Engagement der Kirchen einseitig zu meinem finanzielle Vorteil künde, dann hat das Folgen für mich und die Gesellschaft, langfristig wahrscheinlich mehr als kurzfristig. Dass Landeskirchen so aber auch überlegen müssen, inwieweit sie solidarisch mit Menschen sein können, die es sich leisten könnten, solidarisch zu sein, ist nicht von der Hand zu weisen.

Wäre es nicht viel besser, sich in den Kirchen einzubringen, zu engagieren und sie mitzugestalten zum Wohle unserer Gesellschaft? Jesus sagt es ganz schlicht: «Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch