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Ein schlüpfriger Klimaretter

Eine Kolumne von Daniel Hitz.

In der Zeit der hitzigen Klimadebatte ist die Forderung nach mehr Sonnenenergie allgegenwärtig. Dass Menschen vor nichts zurückschrecken, um die Kraft unseres Fixsterns in ihrem Alltag zu nutzen, zeigt der schlüpfrige Einfall eines Wädenswilers. Um keine Energie im atom- oder erdölschluckenden Kleidertrockner zu verschleudern, nahm ein Herr sein nasses Kleidungsstück – eine dreieckige, dunkelblaue Männerunterhose – mit nach draussen und genehmigte ihr ein ausgiebiges Sonnenbad auf einer Hecke beim Bahnhof. So oder ähnlich muss sein Motiv wohl ausgesehen haben. Oder welche plausible Erklärung gibt es sonst, dass ausgerechnet jenes Kleidungsstück, das zum Schutz des geheimsten Intimen dient, stundenlang am öffentlichen Pranger vor sich hin trocknet?

Ist das Trocknen von Kleidungsstücken auf dem Bahnhofsgelände überhaupt erlaubt? Gilt die einstige Werbung des ZVV «Ich bin auch ein Schiff», ebenfalls für «Ich bin auch ein Tumbler»? Ein Blick auf die ausgeschilderte Bahnhofordnung gibt Aufschluss. Das Sitzen und Liegen auf Boden und Treppe ist verboten, das Abstellen von Fahrzeugen untersagt, und freilaufende Tiere sind unerwünscht – Letzteres scheint den vielen Tauben noch keiner gesagt zu haben. Von zum Trocknen ausgelegter Unterwäsche ist jedoch nichts vermerkt. Zwar gilt die Regel, nichts zu verunreinigen und Abfall niemals ausserhalb von den vorgesehenen Behältern zu deponieren. Als Abfall kann eine frisch gewaschene und wieder zu gebrauchende Unterhose jedoch keinesfalls gelten. Kurzum: Wenn Sie dem Klima etwas Gutes tun wollen, am Bahnhof ist auch Platz für Ihre Kleidung. Dass sie am nächsten Tag noch am gleichen Ort hängt und nicht bereits vom Feinstaub der vorbeifahrenden Züge wieder verdreckt ist, kann niemand versprechen.

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