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Drohende Ausweisung eines zweifelhaften Akademikers

Welche Ereignisse und Themen bewegten die Menschen am Zürichsee im Januar 1920? Ein Blick in unser Zeitungsarchiv.

Im Januar 1920 sorgte ein in Wädenswil niedergelassener deutscher Akademiker für Furore. Dr. phil. Helphand wurde damals wegen seiner «zweifelhaften» Rolle während der deutschen Revolution im «Anzeiger des Bezirkes Horgen» diskutiert. Durch eine Interpellation wurden der Kantonsrat und der Justizdirektor aufgefordert, Auskunft über die Beziehung zum umstrittenen Wissenschaftler zu geben. Ihre Treue zu Helphand wurde scharf kritisiert, vor allem, als eine Berliner Zeitung Details über Helphands Privatleben veröffentlichte. Man warf ihm vor, dem russischen Schriftsteller Maxim Gorki Geld unterschlagen sowie seine beiden ersten Frauen und deren Kinder im Stich gelassen zu haben. In einer Zeit, in der man Familien wegen der Wohnungsnot die Niederlassung entzog, lediglich weil sie keinen genügenden Grund hatten, in der Gemeinde zu wohnen, fordert der Artikel die Nachprüfung der Niederlassungsberechtigung des in der Öffentlichkeit so scharf angegriffenen Mannes. In der folgenden Ausgabe berichtete der «Anzeiger», dass sogar eine Initiative zur Ausweisung von Helphand eingereicht wurde.

Am rechten Zürichseeufer ging es währenddessen ruhiger zu und her. In der «Zürichsee-Zeitung» wies man in den ersten Januartagen auf verschiedene Veranstaltungen in Küsnacht hin. Darunter war ein «Lichtbilder Vortrag» über die regionale Vogelwelt. Zur Teilnahme an dem kostenlosen Anlass musste man aber zu den Grossen gehören. Zutritt zum Vortrag gab es erst ab 13 Jahren. Wer sich weniger für Vögel interessierte, konnte sich für einen Pelznähkurs anmelden. Auch hier musste man allerdings gewisse Anforderungen erfüllen. Der Kurs war nur an Frauen gerichtet, und zwar lediglich an solche, die mindestens sieben gelederte Felle an den Kurs mitbringen konnten.

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