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Die Sonne bestimmt den Gruss

Eine Kolumne von Christian Dietz.

Wir Menschen sind leicht beeinflussbar. Da hat der Frühling doch vor kaum erst zwei Wochen begonnen, und schon haben wir Sommer im Kopf. Das liegt an der Zeitumstellung vom letzten Sonntag: Wenn Sommerzeit draufsteht, muss auch Sommer drin sein.

Das Drehen an der Weltuhr wirkt sich auf unser Verhalten stärker aus, als wir glauben. Zumindest geht es mir so. Der Feierabend erhält schlagartig eine andere Bedeutung, weil man ihn dank des längeren Tageslichts anders planen kann. Aktivitäten im Freien sind nun noch möglich, während bis letzten Freitag schon bei der Heimkehr von der Arbeit gedanklich der Vorhang Richtung Dunkelheit gezogen wurde: indoor bis zum Lichterlöschen.

Die Sommerzeit beeinflusst auch alltägliche und beiläufige Handlungen. Wir grüssen uns jetzt anders. Bis Samstag sagten wir um 18 Uhr schon «Guten Abend» und nicht mehr «Guten Tag», weil die Sonne bereits tief stand, die Dämmerung den Wechsel vom Tag zur Nacht anzeigte. Es hiess zum Abschied auch meist «Gute Nacht».

Jetzt ist alles anders. Wir sagen zur gleichen Tageszeit noch «Grüezi» und «Guten Tag». Das um eine Stunde verlängerte natürliche Licht suggeriert zu viel Zeit für den Rest des Tages, als dass man die Mitmenschen gleichsam nach Hause schickt, wo sie bis zum Schlafengehen bleiben sollen. Solange es auf der Strasse noch hell ist, heisst es «Auf Wiedersehen» statt «Gute Nacht».

Die Sonne bestimmt wirklich den Lauf der Welt. Unser kommunikatives Verhalten beeinflusst sie sogar, wenn an ihr künstlich gedreht wird.

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