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Die lotternde Idylle

Eine Kolumne von Daniela Haag.

Der Wohnraum in der Zürichseeregion ist knapp und teuer. Und dennoch nutzen einzelne Hauseigentümer ihr Gebäude nicht und überlassen es seinem Schicksal. Vor wenigen Tagen musste die Gemeinde Horgen an der verlassenen «Villa heb di fest» im Ortsteil Arn notfallmässig sichern, damit Schulkinder nicht durch herunterfallende Ziegel verletzt werden. In Männedorf ist ein altes Geisterhaus zwangsversteigert worden. Es steht schon seit 30 Jahren leer und ist fast vollständig überwuchert.

Diese Beispiele haben es in den letzten Tagen in die Schlagzeilen dieser Zeitung geschafft. Sie bringen andere Lotterhäuser ins Bewusstsein zurück. Hier nur einige Beispiele, die in Gesprächen gefallen sind: Die Gewerbeliegenschaft an der Seestrasse in Wädenswil, die vor sechs Jahren zwangsgeräumt wurde. Die Mieter wurden von einem Tag auf den anderen auf die Strasse gestellt. Weil das Haus einsturzgefährdet sei. Die Liegenschaft steht heute noch leer und lottert weiter vor sich hin.

Oder ein Gebäude am Seeufer mit Blick auf den Au-Hügel. Es gehört zu einem historischen Gebäudeensemble und ist vom Seeweg her noch knapp zu erkennen hinter Sträuchern und Bäumen. Bei jedem Spaziergang erscheint das Dach noch eingefallener, und es fehlen weitere Ziegel.

Gammelhäuser wecken Emotionen. Sie sind gefährlich und hässlich und passen einfach nicht ins Bild der schicken Zürichseeregion. Sie wecken aber auch Sehnsüchte. Auf meinem letzten Spaziergang hörte ich doch tatsächlich einen Passanten das Lied vom alten Haus von Rocky Docky, das schon vieles erlebt hat, summen. «Dieses Haus will ich bewohnen», heisst es in diesem Ohrwurm und: «Alle Sterne hör ich singen, und die Schatten am Kamin leiten zu den Träumen meiner Jugend hin.»

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