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Der laute Sex der Nachbarn

Eine Kolumne von Regula Lienin.

Der Umzug in einen Neubau würde uns von sämtlichen akustischen Unannehmlichkeiten mit Nachbarn befreien, dachte ich. Die nervenaufreibende Funkmusik, das laute Schnarchen von nebenan – beides durch dünnste Wände so unmittelbar hörbar, als ob die Geräusche aus der eigenen Wohnung stammten. Endlich wäre eine grössere Gästerunde möglich, ohne dass die Nachbarin von unten wegen des Rückens der Stühle reklamiert.

Es fing gut an, in der bestens isolierten Wohnung. Über ein Lüftungssystem gelangen gedämpfte Geräusche zu uns. Das Leben rundherum ist spürbar, aber stört nicht; so gefällt es mir. Ein erster Wechsel in der Wohnung unter uns brachte dann aber die unerwartete Wendung. Der laute Sex des neuen Mieterpaars liess mich mitten in der Nacht aufwachen. Ich war fassungslos – und nicht allein. Mein Freund rieb sich ebenfalls die Augen. Die Frau schrie und der Mann stöhnte durch die gut isolierte Decke. Nach der dritten Nacht fand ich: So geht es nicht weiter. Doch wie spricht man so etwas an?

Ich klingelte bei den neuen Nachbarn und war erleichtert, als eine junge Frau die Tür aufmachte. Ist euch eigentlich bewusst, wie laut ihr seid?, fragte ich sie. Die Rolle der Spassbremse behagte mir nicht. Die Frau grinste verlegen und gelobte Besserung. Tatsächlich wachten wir daraufhin nicht mehr auf. Bis vor kurzem. Was uns dieses Mal weckte, war aber nicht mehr das Liebesspiel der beiden. Sondern ein gewaltiger Streit – natürlich weit nach Mitternacht. Richtig zu hören war nur der Mann. Er tigerte offenbar durch die Wohnung und brüllte herum.

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