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Der Fan-Trojaner

Eine Kolumne von Fabienne Sennhauser.

Als grosser Fussballfan muss nicht zwingend meine Lieblingsmannschaft auf dem Platz stehen, damit man mich für einen Stadionbesuch begeistern kann. Bin ich doch ohnehin diejenige, die lieber im neutralen Familiensektor sitzt, als sich in einer Fankurve während 90 Minuten die Seele aus dem Leib zu schreien. Doch wie es so ist im Leben; erst eine Ausnahme bestätigt die Regel.

So liess ich mich kürzlich von meiner Schwester dazu verleiten, mit ihr ein Spiel ihres Lieblingsclubs zu besuchen. Nicht genug, dass man sich als Zürcherin kaum traut, den Verein beim Namen zu nennen, schleppte mich mein Schwesterherz doch prompt auch noch in dessen Fankurve mit. Da stand ich also inmitten dieser zweifarbigen Fan-Armada. Nicht nur war ich die einzige Zuschauerin weit und breit, die darauf verzichtete, mittels Trikot, Schal, Schirmmütze oder Banner ihrer Zugehörigkeit Ausdruck zu verleihen. Ich sprach auch den falschen Dialekt.

Um den misstrauischen Blicken meiner Sitznachbarn Einhalt zu gebieten, blieb mir darum nur eine Möglichkeit: der Fangesang. Nicht, dass ich auch nur eines dieser Lieder gekannt hätte. Doch ganz so komplex waren deren Inhalte dann zum Glück nicht, dafür die Melodien umso eingängiger. Und ehe ich mich versah, sprang und sang ich aus voller Inbrunst mit. Allmählich bekam ich sogar richtig Spass an meinem kleinen Ausflug. Denn während meine Lippen immerzu neue Anfeuerungsrufe formten, zitterte und bangte ich im Geiste je länger je mehr mit dem gegnerischen Team mit.

Kurzum: Ich war das, was man wohl einen Fan-Trojaner nennen würde. Als ich dies realisierte, war ich wie berauscht von meinem kleinen Geheimnis. Auch Stunden nach dem Spiel hielt das Hochgefühl noch an. Gut möglich also, dass die Ausnahme zur Regel werden könnte.

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