Dorfgeflüster

Das Haus des Kindermörders

Eine Kolumne von Pascal Münger.

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Es ist ein unscheinbares Haus in Adliswil – zwischen der Sihltalbahn und der Brücke, die über die Geleise und die Sihltalstrasse nach Langnau führt. Dennoch kann es denjenigen, die sich mit der Adliswiler Geschichte auskennen, jeweils kalt den Rücken hinunterlaufen, wenn sie am Haus vorbeigehen. Man fragt sich, wer da wohl zu Hause ist und ob die Bewohner wissen, was sich hier vor über 154 Jahren abgespielt hat.

Täglich lesen wir von Schreckensmeldungen aus der ganzen Welt. Alles ist weit weg vom beschaulichen Adliswil. Das war nicht immer so. In besagtem Haus nämlich lebte Heinrich Götti. Er ging in die Geschichte ein, weil er der letzte Verbrecher war, der im Kanton Zürich durch die Guillotine hingerichtet wurde. Dies passierte am 10. Mai 1865 vor rund 15000 Schaulustigen auf der damaligen Marktstallerwiese in Aussersihl. «Anfänglich gefasst, brach er auf seinem letzten Gang völlig zusammen», beschreibt der «Allgemeine Anzeiger vom Zürichsee» Göttis letzte Momente.

Was hatte der damals 37-jährige Adliswiler getan, dass ihm der Kopf abgeschlagen wurde? Die grausame Antwort: Er töte in seinem Haus sechs seiner Kinder kurz nach der Geburt mit Salpetersäure. Durch die Verabreichung der Substanz wurden den kleinen Geschöpfen Kehle, Mund, Rachenhöhle, Magen und Darm verätzt.

Die unfassbare Tat brachte den Namen Heinrich Götti nicht nur in die Geschichtsbücher, weil er der Letzte war, bei dem im Kanton Zürich ein Todesurteil vollstreckt wurde. Er gilt bis heute ebenso als schlimmster Kindermörder der Schweizer Geschichte.

Und auch in Adliswil bleibt die morbide Erinnerung Teil der Dorfgeschichte.

Erstellt: 21.03.2019, 10:48 Uhr

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