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Auf einen Kaffee mit meinem Geld

Eine Kolumne von Daniel Hitz

Es war ein lauer Montagmorgen als mich am Horgner Bahnhof auf dem Weg zur Arbeit ein kleiner Mann in zu grossem Anzug auf englisch ansprach: «Could you please help me to make a coffee?» Die Bitte, ihn bei der Kaffeemaschine im Bahnhofskiosk zu unterstützen, wollte ich ihm nicht abschlagen. Unter dem Motto jeden Tag eine gute Tat sprang ich als Übersetzungshilfe zwischen dem deutschsprachigen Bildschirm der Kaffeemaschine und dem freundlich lächelnden Touristen ein. Nachdem die Maschine unter lautem Dröhnen einen Café Latte herausgepresst hatte, fragte mich der Mann, ob ich ihm bei der Bezahlung helfen könne. Da ich dem fremden Touristen das Schweizer Völkchen als freundlich und hilfsbereit präsentieren wollte, ging ich mit ihm an die Kasse, um ihm seine Sprachbarriere bei der Bezahlung zu erleichtern.

Er stellte seinen Pappbecher voll Milchkaffee auf die Verkaufsfläche und legte ein Feuerzeug dazu. «8,45 Franken», forderte die Kassiererin, ich übersetzte. Dem Mann schien die Übersetzungsleistung nicht zu genügen. Mit ernstem Satz fügte er an «I have no money», um unerschrocken und wie selbstverständlich anzufügen: «And a Box of Winston Blue please».

Als ich ihm versichert hatte, ihm keine überteuerten Zigaretten zu kaufen, zog er mit gesenktem Haupt und dem Feuerzeug in der einen und dem Kaffee in der anderen Hand aus dem Kiosk. Zurück blieb ich, eine unbeglichene Rechnung und eine ernst dreinblickende Kassierin. Widerwillig zahlte ich Kaffee und Feuerzeug und verliess mit erleichtertem Portmonnaie den Kiosk. Draussen stand am Pappbecher nippend der Tourist. Schulterzuckend und enttäuscht keine Rauchen zu können, brachte er ein knappes Danke hervor, um dann auf sein nächstes ahnungsloses Opfer zu warten.

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