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Analog – und garantiert werbefrei

Über die Vorteile eines analogen Kartenspiels – eine Kolumne von Francesca Prader.

Da ich in letzter Zeit etwas lesefaul war, lud ich mir kürzlich zum Zeitvertreib beim Pendeln mit dem Zug ein Spiel auf mein Smartphone: das Kartenspiel «Patience». Dabei ist ein Teil der gelegten Karten verdeckt, der andere nicht. Die übrigen werden solange gelegt, bis alle Karten in der richtigen Reihenfolge in abwechselnden Farben geordnet sind. Es ist ein Spiel, dass ich als Kind oft mit echten Spielkarten Nachmittage lang auf dem Wohnzimmertisch gespielt habe.

Auf dem Bildschirm des Telefons geht freilich alles viel schneller. Die Karten verteilen sich in Windeseile selbst, Schummelblicke unter die verdeckten Karten sind unmöglich, manches Spiel ist gar unlösbar. Zudem erhält man nach jedem beendeten Spiel eine Zusammenfassung der benötigten Zeit und Spielzüge. Rasch ist mein Ehrgeiz geweckt, ich will nach jedem Spiel das nächste anfangen, um darin schneller und geschickter zu sein. Am liebsten sofort – wäre da nicht die liebe Werbung für andere Spiele, mit der man sich in der digitalen Welt so oft herumschlagen muss, wenn man kein Abo löst. Während einer gefühlten Ewigkeit ist man gezwungen, dabei zuzuschauen, wie sich bunte Süssigkeiten auf dem Bildschirm aufeinander türmen, grinsende Fische den Weg aus der Kanalisation finden und gestrandete Urlauber mit Seife, Feuerzeug oder Sonnencreme vor grimmig dreinblickenden Sonnenstrahlen beschützt werden sollen.

Es wurde mir bald zu bunt mit den unfreiwilligen Pausen. Als ich abends nach Hause kam, holte ich meine alten Karten hervor – dieselben kleinen «Patience»-Karten, wie ich sie früher hatte. Und begann mein erstes analoges Spiel seit langem. Natürlich ist von Hand alles viel langsamer und nicht ganz zugkompatibel. Dafür aber ganz bestimmt werbefrei.

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