Tribüne

Südtirol oder Alto Adige

Eine Kolumne von Ursula Gut-Winterberger.

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Kürzlich reisten wir für ein verlängertes Wochenende mit dem Zug nach Meran. Wir näherten uns unserem Domizil über Innsbruck. Auf dem Brenner stehen italienische Grenzwächter, sonst ist kaum ein Unterschied zu Innsbruck und seiner Umgebung zu erkennen.

Der Eindruck verstärkt sich im Dorf über Meran. Das Hotel, im klassischen Tirolerstil erbaut, zeigt Fensterläden in den österreichischen Farben – gegen den Innenhof ist das rot noch etwas intensiver als gegen aussen. Die Wirtin ist in ein modisches Dirndl gekleidet, und ihre Sprache ist tirolerisch.

Die Küche ist mehrheitlich österreichisch geprägt, aber in einem guten Restaurant etwas leichter als die klassische österreichische. Früher waren die Südtiroler Kalterer oder Magdalener für fast nichts zu haben. Ihr Ruf war miserabel. Nun aber ist ein schöner Lagrein eine wunderbare Wahl. Prächtig ist es, auf den Waalwegen zu wandern, beeindruckend die riesigen Apfelhaine und schön unter den Lauben von Meran zu spazieren.

Das Südtirol ist auch wirtschaftlich erfolgreich. Es ist inzwischen sogar die reichste Region Italiens.

Vor genau 100 Jahren wurde das Südtirol durch die Siegermächte des 1. Weltkrieges, zur Bestrafung der vormaligen Habsburger Monarchie, Italien zugeschlagen. Eine Tragik sondergleichen für die Südtiroler! In einem Vertrag zwischen Mussolini und Hitler wurde ihnen 1939 die Option angeboten, ins Deutsche Reich zu kommen. Zehntausende nutzten diese Option, um dann an die Front gehen zu müssen, dort zu sterben oder als Verlierer in die alte Heimat zurückzukehren.

Über Jahrzehnte herrschte Repression gegen die deutschsprachige Identität der Südtiroler. Dies führte zu Gewalt von Südtirolern. Erst ein 1. und 2. Autonomiestatut führte zu einem fragilen friedlichen Nebeneinander, und Südtirol bildet nun mit Tirol und Trentino eine Europaregion. Wer sich literarisch mit dem Thema befassen möchte, sei Francesca Melandris Roman «Eva schläft» im Wagenbach Verlag, sehr empfohlen.

Erstellt: 08.11.2019, 14:40 Uhr

Ursula Gut-Winterberger, Regierungsrätin 2006–2015, Gemeindepräsidentin Küsnacht 1998–2006.

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