Gastro

Die Pizza, mit der man ein Selfie will

Redaktorin Anna Six In der Pizzeria Napulé in Meilen.

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Endlich ist es so weit: Das ist nicht nur eine Floskel, die mein Chef mir die letzten 15 Jahre zu schreiben verboten hat. Es ist ein ernst gemeinter Gedanke, als ich die Türfalle des Restaurants Napulé in Meilen drücke. Endlich, denn hierher wollte ich schon lange kommen. Nichts weniger als die beste Pizza der Schweiz wird im Napulé aufgetischt, glaubt man den einschlägigen Magazinen und Online-Kommentaren.

Verantwortlich dafür ist Raffaele Tromiro, in seiner ­Heimat Italien dreimal zum Pizza-Weltmeister sowie vom Staatspräsidenten zum Cavaliere gekürt. Vor vier Jahren wurde er in Meilen sesshaft – in der früheren Casa ­Gabriella am Ortseingang. Dass das kleine Lokal sich zum kulinarischen Hotspot entwickelt hat, ist unschwer zu erkennen: An den Nebentischen werden fleissig ­Selfies mit Pizza geschossen.Im ersten Anlauf waren wir gescheitert, weil die Beiz an einem gewöhnlichen Sonntagabend gestossen voll und für spontane Gäste bis 21 Uhr kein Platz war.

Doch diesmal haben wir vorgesorgt und zehn Tage im Voraus reserviert. Trotzdem erhalten wir nur einen winzigen Tisch gleich beim Eingang. Das trübt anfangs den Gesamteindruck, wie auch die überaus enge Bestuhlung in dem mit Schwarzweissfotos vollgepflasterten Lokal. Ein Aperitivo scheint zur Entspannung angebracht. Auf der Karte – die in jeder ­Hinsicht aufs Wesentliche reduziert ist – ­stehen Aperol Spritz und Campari, und diese zwei bestellen wir (je 10 Fr.). Die junge Frau im Service ist leider schon ­davon überfordert; bei Wasser und Wein gehts in ähnlichem Stil weiter.

Nun, wir sind ja wegen der Pizza gekommen. Es handelt sich um die nach strenger Vorschrift einer Fachvereinigung zubereitete «Vera Pizza Napoletana». Mit der dünnen, knusprigen Variante, die hierzulande vielen als Ideal gilt, hat sie nichts gemein. Dafür enthält sie nur Zutaten ausgewiesener Herkunft, und der Teig geniesst bei wenig Hefezugabe eine umso längere Gärzeit. Im Napulé stehen auf der ganz in Italienisch gehaltenen Karte ein knappes Dutzend Pizzas. Auch ich fokussiere aufs Wesentliche und wähle die Margherita (23.50 Fr.): gern als langweilig verschrien, aber in Wahrheit die Pièce de Résistance eines jeden Pizzaiolo. Experimentierfreudiger zeigt sich das Gegenüber mit der «Donna Carmela» (29.50 Fr.), die Ricotta aus Büffelmilch enthält. Die Bedeutung des Wortes «cornicione» wird sich uns indes erst später erschliessen.

Zunächst kommt die Vorspeise auf den Tisch, gemischtes Gemüse vom Grill (16.50 Fr.). Es ist passabel, aber nicht mehr. Vor allem könnte man im Hinblick auf die Pizza getrost darauf verzichten. Denn wie die Hauptdarstellerin des Abends vor einem auf dem Teller liegt, gross und rund und üppig, da weiss man: Sie wird einen mehr als gut nähren. Und dann ist es also so weit: der erste Biss ins Meisterwerk. Der Teig ist brotig, aussergewöhnlich aromatisch und im richtigen Mass angeschwärzt, der Mozzarella fein milchig, und die Tomaten runden das Ganze mit fruchtiger Säure ab. Nun ­merken wir auch, was es mit dem «cornicione» auf sich hat. So heisst der Rand der Pizza, und er ist gefüllt mit besagtem Ricotta, was die Kreation nicht eben leicht, aber umso raffinierter macht. «Schlicht und einfach grossartig», bringt es das Gegenüber auf den Punkt.

Der Rest ist schnell gesagt. Ein so ­kompetenter wie charmanter Kellner übernimmt für die Bestellung des ­Desserts. Sowohl das Delizia al Limone (9 Fr.) wie das Babà (9.50 Fr.), ein rumgetränktes Küchlein aus süssem Hefeteig, schmecken vorzüglich. Doch eigentlich brauchts im Napulé nichts als Pizza. Sie ist teuer, aber ihr Geld bis zum letzten Bissen wert.

Pizzeria Napulé, Kirchgasse 59, 8706 Meilen. Mittwoch bis Freitag, 11.30 – 14 Uhr und 18 – 23 Uhr; Samstag und Sonntag, 18 – 23 Uhr. Tel. 044 923 02 02, www.pizzerianapule.ch. ()

Erstellt: 13.11.2017, 14:43 Uhr

Im Rahmen der Gastro-Kolumne schreiben Redaktorinnen und Redaktoren der Zürichsee-Zeitung über ihre kulinarischen Erlebnisse in der Region.

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