Pro & Kontra

Sollen Fans das neue Knie-Zelt berappen?

Die Fans sollen dem Circus Knie ein neues Zelt kaufen. Das polarisiert. Sollen etablierte Unternehmen wie der Circus Knie Projekte über Crowdfunding finanzieren? Ein Pro & Kontra.

PRO

Kleine Projekte werden deswegen nicht untergehen

Der Circus Knie will seine neue Zeltblache mithilfe von Crowdfunding finanzieren. 250'000 Franken sollen so zusammenkommen. Gespendet von Zirkusfans, Freunden und Gönnern.

Das ist eine charmante Idee: Ich mag den Zirkus. Ich spende und leiste einen Beitrag, damit es dem Zirkus auch weiterhin gut geht. Bei meinem nächsten Besuch finde ich meinem Namen auf dem Zirkuszelt verewigt. Das gibt mir ein gutes Gefühl und schafft eine enge emotionale Bindung. Ich bin Teil eines tollen Unternehmens. Davon profitiere ich während meines Besuchs, und davon profitiert der Zirkus.

Warum das schlecht sein soll, weiss ich nicht. Natürlich: Der Circus Knie hat viele namhafte Sponsoren. Zum Beispiel Migros oder Raiffeisen. Die wären potent genug, um ein Chapiteau zu finanzieren, wenn der Circus Knie das nicht mit eigenen Mitteln tun will. Und es mutet überraschend an, dass der Circus Knie ausgerechnet auf der Plattform «Lokalhelden» das Crowdfunding durchführt. Die Plattform gehört nämlich der Raiffeisenbank

Aber wollen wir wirklich ein Zeltsponsoring durch eine Firma? Fakt ist doch: Die Unternehmen müssen all ihre Sponsoringaktivitäten irgendwie refinanzieren. Sei es durch höhere Produktpreise. Oder durch eine höhere Kundenzahl – erreicht durch mehr Werbefläche und Präsenz an den gesponserten Anlässen. Give Aways, Werbebanner, Produktioninformationen im Programmheft, vielleicht sogar Informationsstände. Etwas, das viele Gäste allerdings nicht goutieren.

Natürlich verstehe ich die Angst der sogenannten Kleinen. Junge Sportler oder Musiker, die für die Realisierung ihrer Projekte auf eine solche Schwarmfinanzierung angewiesen sind. Die keine grossen Firmen im Rücken haben. Aber ganz ehrlich: Gespendet wird beim Crowdfunding für etwas, das einem am Herzen liegt. Ganz individuell. Wer Zirkus mag, hat vielleicht mit einem jungen Musiker nichts am Hut. Und umgekehrt. Wer ein gutes Projekt hat, wird nicht untergehen, nur weil etablierte Unternehmen nun auch in diesem Bereich mitmischen. (Philipp Kleiser)

KONTRA

Hat der Circus Knie das wirklich nötig?

Es ist absolut verständlich, dass die Familie Knie zum 100. Geburtstag des Circus Knie in ein neues Zelt, ein sogenanntes Chapiteau investieren möchte. Unverständlich hingegen ist, dass sie dies mithilfe von Crowdfunding auf Kosten ihrer Fans, Freunde und Gönner machen wollen.

Der ursprüngliche Sinn von Crowdfunding hat die Familie Knie wohl missverstanden. Diese Art von finanzieller Unterstützung ist für junge Talente, Sportler und Kulturschaffende gedacht, bei denen die finanziellen Mittel zur Realisierung deren Ziele und Projekte fehlen. Keineswegs aber gilt diese Voraussetzung für etablierte Unternehmen, wie der Circus Knie eines ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dem Zirkus die Mittel für diese Investition fehlen. Für uns Privatpersonen wäre es viel sinnvoller, gute Ideen und Projekte von kreativen Köpfen oder Stiftungen finanziell zu unterstützen, anstatt den grossen Unternehmen noch mehr Geld zuzuschieben. Mit dem Kauf der Eintrittskarten unterstützen Normalbürger schon genug.

Die Plattform, auf der das Projekt aufgeschaltet ist, gehört der Raiffeisenbank - einem der Hauptsponsoren des Zirkus. Da frage ich mich, warum die Raiffeisen das Zelt nicht direkt selbst finanziert, anstatt Privatpersonen das Geld aus der Tasche zu ziehen?

Die Argumentation des Zirkus, damit eine emotionale Bindung aufzubauen, finde ich fragwürdig. Letzten Endes versucht doch jede kommerzielle Marke, auf der emotionalen Schiene ihren Kunden an sich zu binden. Entweder ist man Zirkusfan oder man ist es eben nicht. Daran ändert auch das Mitfinanzieren einer neuen Blache nichts. Klar komme der gesammelte Betrag den Besuchern wieder zu Gute, da diese unter einem neuen Dach sitzen können, aber ist das nicht ein selbstverständlicher Service für alle, die eine Vorstellung besuchen? Letzten Endes ist dies doch nur eine Marketingmasche, um die eigene Kasse zu schonen und auf bequeme Art eine Viertelmillion Franken zu sparen. (Sandra Kuster)

(zsz.ch)

Erstellt: 24.08.2018, 15:48 Uhr

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Pro

Philipp Kleiser, stv. Chefredaktor

Kontra

Sandra Kuster, Praktikantin

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